Den Titel oben dürftet ihr bereits vom Nachbericht des Düsseldorf-Spiels kennen… und täglich grüßt das Murmeltier. Deswegen heißt es nach dem heutigen Samstag: „Pt. 2“. Wieder einmal hat sich der Jahn um den Lohn gebracht. „Du musst schon sagen, dass wir zwei Punkte verloren haben“, sagte uns hinterher Chef-Trainer Sascha Hildmann. Und nicht nur das: „Hintenraus musst du Angst haben, noch das Vierte zu bekommen“, musste auch er zugeben. „Dass wir es nicht schaffen, mit drei Punkten heimzufahren, ist total bitter“, befand Leopold Wurm.
Erste Halbzeit: 35 Minuten fast alles richtig gemacht
Dabei hatte der Jahn in den ersten 35 Minuten fast alles richtig gemacht: Sich ins Spiel gekämpft und den Gegner zu Fehlern gezwungen – die endlich auch mal in Toren resultierten. Das 1:0 durch Oliveira nach starker Vorarbeit durch Boujellab. Dieser selbst dann zehn Minuten später zum 2:0 nach katastrophalem Fehlpass der Stuttgarter. Und dann sogar das 3:0, nach tollem Einsatz von Hermes gegen Masanka Bungi, der jenen dann von hinten abräumte. Selbst den verschossenen Elfmeter konnte man kompensieren, indem Boujellab gut nachsetzte und Hingerl bediente. Bis dato ein fast perfektes Auswärtsspiel.
Bei Nassim Boujellab, der an allen drei Toren beteiligt war, scheint der Knoten jedenfalls geplatzt zu sein. „Ich brauche immer so dieses erste Tor und danach läuft es“, kommentiert der Neuzugang seine tolle Leistung. Dass er nach seinem 2:0 mit dem gesamten Team jubelte, hatte aber keine besondere Bedeutung. „Ich dachte, ich nehme einfach alle mit ins Boot, weil wir in der letzten Zeit viel Negatives erlebt haben.“
Doch warum kassiert man wenige Minuten später allzu leichtfertig den 1:3-Anschluss? Eine einfache Chip-Flanke reicht aus, Rölke steht blank und vollendet. „Gefühlt ist jeder erste Schuss gegen uns drin. Dann kamen wir wieder in den Strudel, der uns in den letzten Wochen so ein bisschen verfolgt“, sagt Boujellab.
Fein hätte mit einem schönen Schlenzer beinahe auf 4:1 erhöht, aber stattdessen fällt kurz vor Halbzeitpfiff das 2:3. Oliveira verliert den Zweikampf auf dem Flügel und bleibt liegen. Zu wenig für einen Pfiff. Mit einem Pass ist Schramm frei vor Hermann und schiebt ein. „Du musst mit dem Vorsprung in die Halbzeit gehen, maximal 1:3, auf gar keinen Fall das zweite kriegen“, sagte uns Poldi hinterher.
Auf einmal fängt der Jahn das Schwimmen an, bekommt nach einem Standard fast noch den Ausgleich in der Nachspielzeit. „Das Momentum war bei Stuttgart“, gibt auch Hildmann zu. „Du schließt die Räume, die Schnittstelle nicht, das darf nicht passieren.“
Zweite Halbzeit: „Die Tore fallen zu einfach“
Dennoch ging es mit einem knappen Vorsprung in die Pause. „Wir wollten kompakter sein, haben auf 4-1-4-1 umgestellt“, beschreibt unser Chef-Trainer die Marschrichtung nach einer wilden ersten Halbzeit. „Ich wollte die Flügel doppelt besetzen, weil Stuttgart umgestellt hat, die haben die Flügel auch doppelt besetzt“.
Das fruchtete auch – jedoch auf Kosten der Offensive. Viel bringt der Jahn nicht mehr zustande. „Es war ein Dahingeplätscher“, sagt Hildmann. „Wir waren uns einig, in erster Linie das 3:2 verteidigen zu wollen und über die Zeit bringen zu wollen. Wir wollten nicht volle Attacke nach vorne“, erklärte Boujellab die veränderte Marschroute nach der Pause.
Dann der Schockmoment: Bei einem Luftduell kommt Felix Strauss unglücklich auf und knickt mit dem Knie um. Sofort zeigen die umstehenden Mitspieler einen Wechsel an. Gestützt muss er ausgewechselt werden. „Ich hoffe, es ist nichts gerissen“, bangte Hildmann hinterher.
Wir selbst vom Blog konnten nach dem Spiel sehen, dass Straussi immerhin eigenständig ohne gestützt zu werden, aber mit finsterer Miene und einer dicken Bandage, aus dem Stadion humpelte. Eine genaue Diagnose werden wohl erst die nächsten Tage bringen. Gute Besserung an dieser Stelle!
Doch damit nicht genug. Es kommt, wie es kommen musste. Stuttgart drängt nach seinen Wechseln immer mehr. Der starke eingewechselte 16-jährige Kenmoe flankt, Schönfelder unterläuft den Ball und sein Gegenspieler Rölke setzt den Ball neben den Innenpfosten. „Eigentlich kann ich mich nur an die drei Torchancen von Stuttgart erinnern. Die Tore fallen zu einfach. Wir gehen nicht mit in der Box, gehen nicht mit unseren Männern mit, die hauen uns im Rücken ab. Das wird dann bestraft“, kommentierte ein konsternierter Poldi Wurm das Gegentor. Und moniert: „Wir schlagen viele Bälle lang, an sich ein gutes Mittel, haben aber zu einfache Ballverluste. Wir brauchen mehr Ballbesitzphasen, wo wir den Gegner unter Druck setzen.“
Chef-Trainer Hildmann analysiert: „Du gewinnst in den entscheidenden Momenten nicht alle Zweikämpfe. Und dann kriegst du ein Tor. Das bricht uns jedes Spiel das Genick.“ Er will aber grundsätzlich nicht von seinem Kurs abrücken: „Es ist kein Problem der Struktur oder der Taktik. Wir müssen an dieser Stabilität in den Zweikämpfen arbeiten. Da fordere ich viel mehr Mentalität, was das Verteidigen angeht. Den Willen, kein Tor zu bekommen. Du musst nicht schön spielen, du musst das Spiel gewinnen. Das klappt noch nicht.“
Jetzt: Kopf freibekommen, Mankos abstellen
Die Schlussphase gehört dann Stuttgart, die ein ums andere Mal Angriffe fahren. Jedoch zum Glück erfolglos. Mit Müh und Not bringt der Jahn schließlich das Unentschieden über die Zeit – und hat viele Hausaufgaben für die anstehende Länderspielpause. „Wichtig ist auch, dass wir die Köpfe freikriegen. Dann legen wir voll los, dass es wieder besser wird. Die Qualität ist auf jeden Fall da“, ist Hildmann überzeugt. „Wir nutzen die Länderspielpause, um uns einen Plan zu überlegen, dass wir nicht mehr so viel Tore bekommen“, sagt Boujellab. „Es tut einfach gut, nach dieser englischen Woche runterzufahren und, egal wie, den Kopf freizubekommen.“
Übrigens sei abschließend gesagt: Allen – Poldi, Hildmann und Boujellab – fiel die schöne Choreo mit dem Brückturm vor dem Spiel auf. Auch die Eltern von Hannes Hermann, die vor uns vor der Pressetribüne saßen, lobten im Gespräch mit uns den sehr guten Auftritt der Regensburger Kurve. Beispielhaft sagte uns Nassim: „Es ist wunderschön, was unsere Fans auf die Beine stellen. Deswegen wollen wir sie und uns selbst belohnen und es tut umso mehr weh, dass wir dieses Spiel nach einem 3:0 noch hergegeben haben.“




