Welcome to Englische Woche. Am schönen Dienstagabend trifft der SSV Jahn Regensburg auf die Fortuna aus Düsseldorf, seines Zeichens Absteiger, Derbysieger und abgesehen vom wichtigen Sieg gegen den MSV auch nicht besonders gut in die Saison gestartet. Der Gegner ist mal wieder ausgestattet mit Ex-Jahnlern. Erik Wekesser schnürte schon einmal die Schuhe für den Jahn, ehe er über Lautern und Nürnberg kurz vor Saisonstart zu den Düsseldorfern wechselte. Ein bisschen mit Wehmut begegnet man dem zweiten Altbekannten: Erik Hottmann, der durchaus beliebt war und uns auch nach dem Abstieg letztes Jahr treu blieb, steht nun als Gegner im Jahnstadion. Am Wochenende markierte er erst den 2:1-Siegtreffer der Fortuna gegen Duisburg und machte sich in dortigen Kreisen sicher auch schon sehr beliebt.
Der Spielfilm
Eröffnet wird mit einer schönen Choreo zur Ehre des Jahnstadions und gleich zu Beginn einer richtig dicken Chance. Nach einer Ecke kommt Boujellab im Rückraum relativ frei zum Abschluss und ausgerechnet Hotte hält auf der Linie den Fuß dazwischen, das hätts schon sein können. Kurze Zeit später die nächste Möglichkeit. Die Regensburger pressen hoch und Düsseldorf bekommt den Ball nicht weg, der dann folgende Abschluss ist aber relativ ungefährlich. Die erste Düsseldorfer Chance gehört dann ebenfalls Hottmann, der eine gute Flanke nur knapp verpasst. Auffällig ist, dass Sascha Hingerl sich bei tiefem Ballbesitz der Düsseldorfer immer wieder aus der Kette löst und sehr hoch anläuft. Bisher funktioniert das relativ gut, die Düsseldorfer können das Pressing noch nicht erfolgreich überspielen. Mittlerweile sind aber auch die Fortunen gefestigter. Und dann Nassim Boujellab. Eine Annahme schön wie ein Frühlingsmorgen, ein Abschluss eiskalt wie die Winternacht. EINS zu Null. Kurze Zeit später mal wieder der klassische Jahn-Downer. Wekesser steht lattenfrei im 16er und muss die Flanke von van der Sloot nur noch einnicken. Sagenhaft, wie man das so verteidigen kann, schon wieder. War aber auch abzusehen, dass dieses hohe Anlaufen in die Hose geht, wenn die Düsseldorfer einen richtigen Ball spielen. Und wieder geht das Sammelkartenspiel der Rot-Weißen los. Keine halbe Stunde gespielt, zweimal gelb (Boujellab und Karbstein). Das Spiel entspricht der bisherigen Tabellensituation der beiden. Es ist gar nicht mal so gut. Fünf Minuten vor dem Pausenpfiff eine weitere Annäherung an den gegnerischen Kasten. Kurz vor der Halbzeit nochmal ein Hochkaräter (wenn man den Spielverlauf bisher betrachtet): Hermes bricht auf außen durch und muss unter Druck abschließen, der Ball wird abgefälscht. Schönfelder war auf links mit durchgelaufen und stand frei, ist dementsprechend ein wenig sauer.
Halbzeit zwei lässt sich dann relativ kurz gut zusammenfassen. Die Regensburger starten die ersten 5-10 Minuten mit zwei Halbchancen gut rein, ehe die Mannschaft komplett einbricht. Das hohe Anlaufen entfällt in Halbzeit 2 fast gänzlich, Düsseldorf bekommt immer mehr vom Spiel. Viele Fouls unterbrechen immer wieder den Spielfluss. Das Spiel zieht sich immer mehr in die Länge, ehe Eixler 10 Minuten vor Schluss den Gnadenschuss setzt. Mal wieder mit tatkräftiger Unterstützung von unseren Jungs. Das Stellungsspiel ist ausbaufähig, der Ball von Egouli prallt an Strauß ab, der dabei aussieht wie ein E-Jugendspieler, der zum ersten Mal einen Ball am Fuß hat, und Eixler umkurvt Herrmann, der relativ wenig machen kann. Die gesamte Truppe bereitet mir wirklich tiefe seelische Schmerzen, es ist wirklich nicht zu fassen. Und so endet Not gegen Elend mit 1:2 für die Gäste aus Düsseldorf. Die Jahnelf verliert (schon wieder) ein Spiel, in welchem sie mindestens 1 Punkt holen müssen (schon wieder), durch dumme selbstverschuldete Gegentore (schon wieder) und weil die Leistung nicht über 90 Min durchgezogen wird (schon wieder). Ich komm mir vor wie in einem sehr schlechten Horrorfilm, in welchem ich Tag für Tag das Selbe sehe, aber nicht weiß, wie ich da rauskommen soll.
Fazit:
Eher 2/10. Den Plot kennen wir jetzt schon, das Ergebnis auch. Die Neverending Story von der intensiven Jahnelf, die trotz kämpferischer Leistung und guter Spielanlage einfach kein Glück hat, ist ausgelutscht. Rafft euch! Dass diese Mannschaft Fußball spielen kann, hat man in dieser Saison gesehen, dass sie anscheinend nicht in der Lage ist, das auch sauber über 90 Minuten zu tun, auch. Leider zu oft. Gegentor Nummer 1 ist peinlich, das zweite stümperhaft. Sorry Jungs, aber das wisst ihr selbst. Ab der 70. war bei allen die Luft raus, da muss man dringend ansetzen, sonst könnte diese Saison noch echt bitter werden. Feins feine Vorlage zum 1:0 kam von außen, ein Spielzug, den man zu selten sieht, weil er, wenn man ihn sieht, sehr gut funktioniert. Warum man danach meistens eher irgendwelche Chipbälle ins Nirgendwo oder Pässe zum Gegner sieht, muss die Mannschaft sich selber fragen. Alles in allem kann ich diesem Trauerspiel wirklich nichts Positives abgewinnen, außer dass Boujellab eine wirklich herausragende Ballannahme aus dem Kästchen gezogen hat.
Stuttgart die 2
Am Samstag endet die englische Woche für unsere Lieblingsmannschaft in Stuttgart, leider nicht bei den Kickers (vielleicht ja nächstes Jahr), sondern bei der Zweitvertretung des VfB. Die Stuttgarter belegen derzeit Rang 16, während unsere Jahnelf auf dem letzten Platz der Tabelle rangiert. Der Stuttgarter Unterbau konnte die letzten beiden Spiele nicht gewinnen und wird am Samstag versuchen, nicht noch weiter in den Tabellenkeller zu rutschen, während unsere Elf es schaffen muss, ebendiesen zu verlassen. Auswärts konnten wir bisher alle unsere Punkte einfahren, haben aber auch schon ordentlich Buden gefangen. Sowohl gegen die Viktoria aus Köln als auch gegen Düsseldorf mussten die Schwaben Niederlagen hinnehmen und zumindest Köln konnten wir schlagen, daher spricht zumindest diese Statistik mal für uns. Nach dem Kick in Stuttgart gibt es 2 Wochen Länderspielpause. Eine Pause, die das Team und der Trainer dringend nutzen sollten, um sich zusammenzusetzen, die Fehler zu besprechen und grundlegende Dinge zu trainieren und zu intensivieren.




