Der Große Preis von Italien, Bayern München gegen Schalke 04, Fenerbahce gegen Besiktas, Straußi gegen Bulic und der SSV Jahn Regensburg gegen den Meidericher SV. Servus und Hallo in die treue Leserrunde des Nachberichts. Liest man sich den Kader des heutigen Gegners einmal durch, dürfte dem ein oder anderen auffallen, dass man in Duisburg wohl eine ausgeprägte Neigung entwickelt hat, Ex-Jahn-Kicker unter Vertrag zu nehmen. Mit Max Besuschkow (ja, den gibt’s noch), Dominik Kother (der öfter die Ligenzugehörigkeit wechselt als so mancher die Unterhose), Christian Viet (war bei uns so unsichtbar, zu dem fällt mir leider nix ein) und Rasim Bulic (laufende Blutgrätsche mit Pferdelunge, sammelt leidenschaftlich Karten) stehen gleich 4 Kicker mit Jahn-Vergangenheit im gegnerischen Kader. Davon 3 in der Startelf, Bulic sogar als Spielführer. Nach einem schwachen Auftritt, in dem uns deutlich die Grenzen aufgezeigt wurden, geht es heute, natürlich, gegen den aktuellen Tabellenführer, die in 3 Spielen 9 Punkte, 10 Tore und nur 2 Gegentore gesammelt haben. Spricht also mal wieder alles für den Jahn, immerhin 15. mit 3 Punkten, 6 zu 8 Toren (war schon schlimmer). Geht das heute verloren, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es wieder in den Bereich der letzten 4 geht.(Foto: Gatzka)
Das Spiel gegen die Zweitvertretung der Hoffenheimer, in welchem, Achtung Hyperbel, mehr Tore gefallen sind als Heimzuschauer anwesend waren, hat auch in der Aufstellung Wirkung gezeigt. Jahntrainer Sascha Hildmann stellt statt Stürmer Hobsch mit Sascha Hingerl einen weiteren defensiven Akteur auf. Sicher ist nun mal sicher. Sonst gibt’s keine weiteren Änderungen. Knapp 1000 Anhänger der aufstiegshungrigen Zebras sind heute mit dabei. Während die ein Schmankerl von London, Bukarest und Wien schmettern, müssen wir mal wieder auf Havelse, Verl und Großaspach schauen. Nichtsdestotrotz geht es nun auf in die 90 Minuten purer Fußballfreude.
Das Spiel in allen Emotionen
Die ersten fünf Minuten sind relativ ereignisarm. Man muss jedoch mal anmerken, dass es trotz dem Tabellenstand und dem letzten Auswärtsspiel Spaß macht, dieser Mannschaft zuzusehen, und ich hoffe, dass die Jungs es noch schaffen, dass die Art und Weise, wie hier versucht wird, Fußball zu spielen, seine Früchte trägt. Und dann schepperts fast. Stürmer Hermes überflügelt alle, zieht ein schönes Solo und möchte dann mit dem Ball auf den Gästeparker, das war bisschen übermotiviert, der Keeper ist da. Keine 5 min später steht Phillip auf der linken Seite komplett blank, sieht aber keinen Abnehmer in der Mitte und setzt den Ball zu weit nach Außen. Geht gut los. Beide Spielzüge liefen über die linke Außenbahn mit dem Namen Oskar Schönfelder. Duisburg scheint wie schon Saarbrücken ein wenig überfordert mit der aktiven, ballorientierten und passstarken Spielweise unserer Rothosen. In der 20. Min bricht Boujellab gut durch und kann sich für den Abschluss oder den Steckpass am Fünfmeterraum entscheiden. Er entscheidet sich für einen Pass zum Zebrakeeper Braune. Das ist eine Abschlussschwäche, mit der man so wahrscheinlich gar nicht gerechnet hat. Fünf Minuten nach dieser Chance gibts dann auch mal eine für den MSV. Viet zieht am Sechzehner nach Vorlage von Kother flach aufs Tor vor der HJT. Keeper Hermann streckt sich und holt den raus. Bei der folgenden Ecke wirds unübersichtlich. Im Gerangel geht Strauß zu Boden, der Schiedsrichter lässt erstmal laufen, pfeift dann aber. Nach kurzer Diskussionsphase, in der Bulic natürlich an vorderster Front agiert, sieht Lex Lobinger zur allgemeinen Freude die glattrote Karte. Meine verlässlichen Quellen vor dem TV geben einen Ellbogenschlag als Grund an. Dass der Topstürmer der Duisburger schon eher duschen gehen muss, dürfte zumindest ein bisschen Druck aus der Defensive nehmen. Nur ein paar Minuten später legt Sussek auf der Außenbahn Hingerl um und sieht gelb. Da fragt man sich schon, wie diese Tretertruppe so weit oben stehen kann. Jetzt wirds absolut wild. Tumulte vor der Pressetribüne enden in einer gelben Karte für Bauer, der wohl ein Foul auf der Außenbahn begangen hat, Kapitän Strauß, der es wie Bulic nicht lassen kann, den Schiedsrichter vollzupalavern, und Can Coskun, der wohl rumschubst wie ich, als mir im Kindergarten der Bagger geklaut wurde. Nach diesen wilden Minuten versuchen beide Mannschaften, das Ding ohne große Probleme in die Kabinen zu bringen. Feins Ecken sind in diesem Spiel wie sein Antritt, ausbaufähig. Sonst macht auch er ein gutes Spiel. Duisburg steht jetzt in Unterzahl natürlich tiefer und gibt dem Jahn weniger Räume, die müssen sich was einfallen lassen, wie sie die zweite Hälfte gestalten wollen, um die Überzahl auszunutzen. Straussi hat heute einen persönlichen Auftrag, kurz nach einer akrobatischen Einlage (klärt den Ball per Fallrückzieher) schließt er aus circa 20 Metern einfach mal ab. Damit schließt er auch das Kapitel erste Halbzeit.
Ich sags euch, ich bin heiß wie Frittenfett. Ist das ein geiler Drittligakick. Der Jahn macht Spaß, muss aber dringend an seinem Abschluss feilen. Duisburg zeigt sich kämpferisch (eine Sense nach der anderen), sieht aber bisher wenig Land. Sammeln wir kurz Nerven, Emotionen und Karten. 4 Gelbe und eine Rote (keine davon für Rasim Bulic) machen die zweite Halbzeit durchaus interessant.
Duisburg wechselt in der Halbzeit doppelt. Kother und der gelbbelastete Sussek gehen für Remmert und Symalla. Der Jahn unverändert. Und dann folgt die nächste Karte, Remmert nietet relativ kompromisslos Strauß um und sieht den gelben Karton, ist ja nicht so, als wär der erst reingekommen. Ansonsten in den ersten 10 Minuten der zweiten Halbzeit keine berichtenswerten Szenen. Der Jahn hat jetzt zwar noch mehr Ball, aber auch engere Räume zu bespielen. Und dann fällt es endlich, das heißersehnte Tor. Goalgetter Lucas Hermes köpft den Ball nach perfekter Flankenvorlage von Schönfelder einfach rein. Nix Abschlussschwäche, Killerinstinkt! Duisburg-Trainer Dietmar Hirsch sieht dann zur Abwechslung mal eine Gelbe Karte wegen Meckern. Kurz danach ist Hingerl fällig und sieht nach einem Foul in Sechzehnernähe ebenfalls gelb. Den fälligen Freistoß pariert Hermann mühelos. Der Jahn spielt weiterhin freudig auf. Es ist zwar nicht immer fußballerisches Höchstniveau, was hier passiert, aber im Großen und Ganzen gut bis sogar sehr gut. Wir schreiben die 64. Minute und nach langem Hin und Her vertändelt die Jahnelf den Ball am Sechzehner. Da könnte man auch einfach mal bisschen straffer den Abschluss suchen. Auch die zweite Halbzeit ist geprägt von vielen Fouls und Nicklichkeiten. Das Spiel hat deutlich an Tempo verloren, Duisburg versucht irgendwie, den Ball in Tornähe zu bringen, während der Jahn nicht in gegnerische Konter laufen möchte. Ein Einwurf ermöglicht dem Duisburger Remmert, der sich gut freispielt, einen Schuss aus relativ guter Position, der aber noch am Tor vorbeirutscht. Nur wenige Minuten später (71.) ist plötzlich wieder Remmert durch, läuft lattenfrei aufs Jahn-Tor zu und schiebt den Hermann durch die Hosenbeine. Unfassbar, wie wir es jedes Mal schaffen, uns selber einen reinzulegen. Duisburg hat jetzt natürlich unglaublich viel Zeit. Um die Überzahl trotzdem zu nutzen, bringt Hildmann Hobsch für Majetschak ins Spiel. Kurze Zeit später geht auch Schönfelder, der am Ende seiner Kräfte ist, Karbstein kommt. Duisburg klammert, zieht und tritt jetzt nur noch. Kein schönes Spiel mehr, aber der Jahn hat noch ein wenig Zeit, eins zu machen. 10 Minuten vor Schluss betritt auch noch Besuschkow seine alte Wirkungsstätte. Casar und Karbstein sammeln weiter Gelbe Karten. Und dann fällt das 2:1 für Duisburg nach einer Ecke. Es ist mir schleierhaft, wie und was die Heimmannschaft hier vorhat, aber das ist einfach nur schlecht. Der Truppe fällt absolut nichts mehr ein, schlechte Bälle ins Nichts, keine Bewegung, kein Wille. Als wärs nicht genug, lassen sich die in Überzahl (!!!) spielenden Kicker auch noch von den Duisburgern im 2gg2 daherspielen. Hermann kann aber Schlimmeres verhindern. Das wars, 2:1, kein Bock mehr.
Der Nachbericht zum Nachbericht
Es sind ein paar Stunden vergangen, die PK, Spielerinterviews, reger Austausch in der Redaktion und ich bin zumindest emotional ein bisschen runtergefahren. Blicken wir nochmal aufs Spiel zurück. Sowohl die befragten Strauß, Hingerl und auch Keeper Hermann sind sich einig, dass das heute eigenes Unvermögen war und man Duisburg das Spiel und die Punkte geschenkt hat. Dementsprechend schlecht war die Laune im Kabinengang und auf der PK. Auch Trainer Hildmann war derselben Meinung.
Doch was war das Problem? Die ersten 20 Minuten hatte Regensburg eigentlich Oberwasser, beide Trainer stellten nach dem Spiel fest, dass es den Zebras durchaus schwerfiel, Zugriff zu bekommen. Gerade in dieser Phase schaffte es die Jahnelf immer wieder, den Ball laufen zu lassen und Räume zu schaffen. Schon da zeigte sich aber die erste Schwäche, der Jahn ist vorne raus zu einfallslos. Wie auch gegen Saarbrücken passiert zu wenig in Richtung Tor und vor dem Tor. Der einzige schnelle Ball in die Kette funktionierte dann und Hermes scheiterte nur knapp am gegnerischen Torhüter. Mit der Roten Karte veränderte sich das Spiel dann. Duisburg zog sich zusehends zurück und überließ den Regensburgern in der eigenen Hälfte den Ball. Mit der eigentlichen Überzahl verflogen auch die Räume, die sich vorher noch aufgemacht hatten, und der Jahn tat sich sehr schwer, das richtige Mittel zu finden. Dass die Rote Karte des Gegners dem eigenen Spiel schlechttut, ist selten, aber auch Hingerl bestätigte das im Nachgespräch. Und dann ein eigentlich einfacher, aber effektiver Spielzug. Duisburg ist weit hinten drin, läuft in dem Moment nicht an, schneller Ball auf außen, perfekte Flanke und Tor. Diese Art von Spielzug kann gegen tiefstehende Gegner in Überzahl sehr effektiv sein, sah man aber die komplette restliche Spielzeit kaum noch. Und das ist das schon angesprochene Problem. Es gibt keine Spielidee im letzten Drittel, bzw. die gibt es bestimmt, nur umsetzen kann sie keiner so richtig. Phillip und Boujellab liefen sich regelmäßig fest. Über Bauer ging leider gar nichts. Schönfelder setzte immer wieder Akzente, aber auch darauf hatte sich Duisburg dann schnell eingestellt. Und dann kommt eins zum anderen: Statt den Ball ruhig laufen zu lassen, weil genug Zeit war, man führte und in Überzahl war, spielt man plötzlich Phillip auf der linken Seite an, die Duisburg zu dem Zeitpunkt eh schon überladen hatte. Phillip steht mit dem Rücken zum Tor und hat drei Gegenspieler hinter sich. Er verliert den Ball, dann ein schneller Pass und die Kette, die sehr hoch und weit auseinandersteht, geht völlig verloren. Wurm wird einfach überspielt, Strauß versucht die rettende Grätsche anzusetzen, ist aber auch einfach zu weit weg und zu spät und schon läuft Remmert in Unterzahl (!) alleine auf den Torwart zu. Auch Hildmann konsternierte das danach. In der Situation ins Pressing zu spielen, sei völlig unverständlich. Der Rest ist schnell erzählt. Man wird nervös, aus den eigentlichen guten Ansätzen der Anfangsphase wird ein wildes Ballgeschiebe mit wirklich 0 Zug zum Tor. Dass du dann auch noch gegen den Langhals Bulic das Kopfballduell verlierst und Fleckstein den Fuß reinhalten kann, obwohl allen Beteiligten klar war, wie gefährlich Duisburg über Standards ist, setzt der Torte nur noch die Kirsche auf. Da kann sich jeder einzelne an die Nase fassen. Dass man dann hinten raus fast noch eins fängt und wieder die gleichen Fehler macht wie beim 1:1, ist einfach nicht glaubhaft in dieser Liga. So wird es unglaublich schwer, Fuß zu fassen. Unterm Strich steht man jetzt mit 3 Punkten auf Platz 17 und Großaspach hat noch nicht mal gespielt, statt mit 7 (muss) oder 9 (kann) im oberen Tabellendrittel. Als Nächstes gehts im Tivoli gegen Aachen und dann daheim gegen Absteiger Düsseldorf. Holst du da auch nix, wird es für die Psyche immer schwerer. Und das, obwohl klar ersichtlich ist, dass der Jahn Fußball spielen kann. Zudem bitter, wenn du Duisburg dann auch noch für dieses Geholze belohnst.
Am Ende des Tages hilft alles nix. Wir werden uns wiedersehen/hören/lesen. Auf Bald.




