Erneuten Heimspiel-Horror gegen Rostock vermieden

Passend zu Halloween war der Angstgegner aus Rostock zu Gast. 2016 konnte die Jahnelf zuletzt zuhause gegen Rostock gewinnen. Nach einer Achterbahn der Gefühle war der 2:1-Sieg aber vollbracht. (Foto: Gatzka)

Der Spielfilm

Die ersten Minuten des Spiels plätschern vor sich hin, bis auf eine Halbchance von Hermes, die unsauber vom Rostocker Tormann pariert wird. Die Jahnelf geht aber gut voran und hat immer wieder längere Ballbesitzphasen. Was dann passiert, gleicht einem Horrorszenario. Hermann hat den Ball am Fuß und nur Gott weiß, was er dann vorhat. Voglsammer läuft von der Seite den Ball ab, legt auf Dajaku und der tunnelt Hermann auch noch. Kein Argument für einen durchaus diskutablen Torhüter.

Schlecht ist das aber nicht, was unsere Rothosen bis jetzt machen, vorne fehlt ein wenig die Zugkraft und die zündende Idee (wie immer eigentlich). Die Ballbesitzphasen haben sich nach dem dämlichen Rückstand verschoben, die Mannschaft hat wohl einen kleinen Wirkungstreffer abbekommen. In der 23. Minute wird Zauberfußballer Boujellab ordentlich gestempelt. Kölle sieht dafür gelb. Nur drei Minuten später fängt sich Wurm auch eine ein, nach einem Tritt gegen Michaelis. Also großen Spaß macht das nicht, viel Ballgeschiebe, Hansa macht nicht, als er muss, der Jahn anscheinend nicht mehr als er kann, und somit plänkelt das Spiel der Halbzeitpause entgegen.

Schönfelder fängt sich kurz vor ebendieser seine fünfte gelbe Karte ein und ist damit gegen Meppen gesperrt. Dann wirds wild. Der Ex-Bayern-Spieler und Torschütze Leon Dajaku hatte sich vor ca. 10 Min. eine gelbe Karte wegen Ballwegtretens eingefangen und tritt jetzt Boujellab um. Zusammengerechnet macht das Gelb-Rot. Somit wird die Jahnelf die zweite Hälfte mit einem Mann mehr bestreiten. Aber wir wissen alle, wie das letzte Spiel in Überzahl ausgegangen ist…

Schönfelder darf auf der Bank Platz nehmen, nachdem er ein paar Sekunden vor dem Pausenpfiff selber fast noch vom Platz geflogen wäre, ebenso darf Wurm Feierabend machen. Bauer und Phillip neu im Spiel. Und der Jahn lebt! 50. Minute: Oliveira setzt sich auf der Außenbahn an der Grundlinie stark gegen Reichert durch und legt quer auf Hermes, der legt den Ball mit viel Übersicht ins lange Eck. 1:1! Jetzt weiter! JA! Zwei Minuten später schepperts schon wieder. Bene Bauer und Boujellab mit einer schönen Doppelkombi und Bauer drischt den einfach mal mit Karacho ins Tor. Das ist die Führung. Rostock völlig überfordert mit den in Überzahl aufspielenden Regensburgern.

Nach einer Ecke der Gäste ist Phillip relativ frei auf der rechten Seite durch, scheitert aber kläglich an seinen Flankenfähigkeiten. Kurze Zeit später wieder Hermes mit einem mittigen guten Abschluss, den der Keeper aber hält. Fast im selben Atemzug setzt Bauer nach langer Flanke seinen Abschluss knapp an den Pfosten. Die Rostocker stehen völlig neben sich. Hobsch mit der Riesenchance in der 68. Minute. Er bekommt den Ball wunderbar zugespielt und setzt sich überragend durch, setzt aber auch den Ball aus kurzer Distanz neben das Tor, den muss er machen. Im Gegenzug muss Hermann nämlich mit einer starken Parade gegen den eingewechselten Kraus parieren.

Die zweite Hälfte ist deutlich interessanter als die erste, in der es fußballerisch kaum schöne Aktionen gab. Ein wildes Hin und Her mittlerweile, so richtig Kontrolle hat keiner, zwingende Abschlüsse auch nicht. Und dann schepperts doch fast nochmal, Regensburg zieht sich völlig unnötigerweise komplett zurück und lässt Rostock schalten und walten. Die warten gefühlt aufs Gegentor, was soll das? Nach ein paar weiteren quälend langen Minuten pfeift Schiri Timon Schulz endlich ab und der Jahn bricht den Heimspielfluch gegen die Rostocker.

Fazit

Der Jahn holt sich den dritten Saisonsieg nach drei sieglosen Spielen. Je nachdem, wie die Verfolger Großaspach, Fortuna Köln und Würzburg spielen, könnte man sogar mal wieder oberhalb der Abstiegsplätze enden. Souverän war das allerdings nicht. Nachdem man sich schon in Essen mit halsbrecherischer Sicherheit ’n Ei ins eigene Tor gelegt hat, dasselbe heute wieder. Für Keeper Herrmann wird’s langsam eng, das war immerhin nicht die erste Unsicherheit (oder die zweite oder die dritte).

Die 20 Minuten nach Wiederanpfiff waren das Beste am ganzen Spiel heute. Danach hat man es fast drauf angelegt, sich doch noch eins zu fangen und hier wieder nur mit einem Punkt oder weniger vom Platz zu gehen. Gegen Meppen gibt es nur ein einziges Ziel: Gewinnen. Was anderes darf sich die Jahnelf nicht erlauben, um sich in der Länderspielpause auf die beiden bayerischen Spiele gegen die Würzburger Kickers und die Werksvertretung von Audi in Ruhe vorbereiten zu können.

Naturgemäß froh war Sascha Hildmann „für die Mannschaft, die Moral und die Fans“, dass man dem Rostocker Sturmlauf in der Schlussphase widerstehen und eine knappe Führung über die Zeit bringen konnte. „Es war vielleicht kein wunderschönes Fußballspiel, aber es war spannend.“

Dass der sonst stets gesetzte Adrian Fein über 90 Minuten nicht zum Zug kam, hatte mit dem Gegner zu tun. „Das war eine Entscheidung, die wir lange im Trainerteam überlegt haben“, sagte Hildmann. „Wir wussten um die Wucht und die Standardstärke der Rostocker und wollten Spieler auf dem Platz, die voll mit Mentalität sind und das Verteidigen in sich haben“, begründete er die Entscheidung für eine kämpferische Mittelfeldzentrale mit Leo Mätzler und Sascha Hingerl.

Bleibt noch die Frage, wie es mit Torwart Hannes Hermann weitergeht, der erneut einen Bock fabrizierte, diesmal zum Glück nicht spielentscheidend. „Du kriegst ein Gegentor, das einfach nicht passieren darf. Das hat mit der Mannschaft auch ein Stück weit was gemacht“, sagte Hildmann dazu. „Ich will das in der Öffentlichkeit nicht besprechen. Ich werde mit Hannes reden und dann sehen wir, wie es weitergeht.“ In der Medienrunde am Donnerstag vor dem Spiel hatte der Trainer dem vom HSV ausgeliehenen Keepertalent allerdings noch demonstrativ den Rücken gestärkt.