Jahn goes 80er: Amateurfußball und Jahrhundert-Eigentor

Es wird mal wieder Zeit für einen Blick auf den Jahn des vergangenen Jahrhunderts zu werfen. Dieser Teil des letzten Jahrhunderts ist laut Jahn-Archivar Dr. Otto wohl das Jahrzehnt, aus dem vergleichsweise wenig Bildmaterial existiert. Dies liegt nicht zuletzt am vielen Auf und Ab im gehobenen Amateurfußball. Wir tauchen heute in ein Jahrzehnt ein, in dem die Männerhaare noch lang und die Sofortbildkameras kurz waren. Holt eure Aerobic-Anzüge aus dem Schrank und legt die Kassetten ein. Es wird „klassisch“.

Zu Beginn danken wir dem Jahn-Archiv und im Speziellen Herrn Prof. Dr. Wolfgang Otto, ohne dessen Arbeit dieser Artikel nicht zustande gekommen wäre. Herzlichen Dank für die Zahlreichen Fakten sowie das Bereitstellen der Fotos.

Chaosclub in Liga 4

Wir müssen uns der damaligen Situation bewusst werden. Der Jahn spielt nach mehreren Auf- und Abstiegen Ende der 70er Jahre in einer regionalen 4. Liga u.a. mit den lokalen Nachbarn Burglengenfeld und Cham, beide heutige Partnervereine. Man hat höchstens in der Stadt selbst eine gewisse Verwurzelung. Strahlkraft sucht man vergeblich. Diese fand sich nur im Glanz vergangener Jahrzehnte. Schließlich war man noch einige Jahre zuvor Zweitligist. Mitte der 1970er Jahre belief sich der Schuldenberg des SSV auf über 500000 D-Mark. Ein Sparkurs war angesagt.

Kaum im Jahre 1980 angekommen starten wir zuschauertechnisch am Tiefpunkt: Die Saison 79/80 beendet man auf dem 3. Platz der Landesliga. Zu wenig für die hohen Ansprüche an der Prüfeninger Straße. Trainer Ferencz Bezeredy wurde nach nicht einmal 2 Jahren entlassen. Hans Schmid soll zur neuen Saison den lang ersehnten Aufstieg klarmachen. Doch die erneute Enttäuschung: Platz 3 und 12 Punkte hinter Platz 1. Nicht mal in die Relegation geht es. Die Regensburger Fans hatten genug: Zu den Spielen erscheinen nur noch 100 – 500 Zuschauer.

Nach dem Neuanfang folgte der Neuanfang: Edmund Ipfelkofer sollte es als Trainer richten. Zunächst lief im Saisonverlauf alles nach Plan. Von den ersten 9 Saisonspielen konnten 7 gewonnen werden. Und kaum stellten sich konstante gute Leistungen ein, meldete sich auch das Regensburger Publikum eindrucksvoll zurück: Gegen die SpVgg Landshut kamen gut 7000 Zuschauer ins Jahnstadion und sahen einen knappen 2:1 Heimerfolg. Aber der alte Jahn wäre nicht der Jahn, wenn man aus einer so günstigen Ausgangslage wieder nichts Verwertbares macht. Wegen „Undiszipliniertheiten“ und einer Negativserie kam Unruhe im Verein auf.

Zum Ende der Hinrunde machte Ipfelkofer publik, dass er zurücktreten wollen würde. Die Antwort aus dem Präsidium folgte prompt und ein ehemaliger Nationalspieler wurde stattdessen installiert: Der „James Dean“ des 1. FC Nürnberg: Stefan Reisch. Der 9-fache deutsche A-Nationalspieler und gelehrter Möbelkaufmann war schon seit Jahren als Trainer bei diversen bayerischen Amateurvereinen aktiv. Dieser Umstand sorgte u.a. wenige Monate danach für eine Entlassung mit Ansage: Nachdem sich Reisch für ein Auswärtsspiel krankschreiben ließ, trat er für einen völlig anderen Verein, den TSV Flachslanden, in einem Spiel als Spielertrainer an. Dies machte das Fass natürlich randvoll. Schließlich wurde er 6 Spieltage vor Schluss entlassen und die Jahn-Legende Horst Eberl musste einmal mehr in die Bresche springen.

Ein Sturm zieht auf

Wenn wir über den Jahn der 80er Jahre sprechen wollen, kommen wir um eine Persönlichkeit nicht herum: Klaus Sturm. Geboren und aufgewachsen in Rain, einem Ort an der Bundesstraße von Regensburg in Richtung Straubing, kam er 1966 mit 21 Jahren als Torwart zum Jahn. Sein großer Traum blieb allerdings die Trainerkarriere. Mit dem FC Dingolfing gelang ihm der Aufstieg in die viertklassige Landesliga Mitte. Vilshofen führte er in der vorher angesprochenen Saison 80/81 in die drittklassige Bayernliga, zum großen Ärger des damals drittplatzierten Jahn.

Der vorher schon erwähnte Horst Eberl war auch derjenige, der seinen ehemaligen Mitspieler in die Donaustadt lotsen konnte. Sein Auftrag war klar: Das was er in Vilshofen umgesetzt hatte, sollte nun auch an der Prüfeninger Straße klappen. Und das alles nebenberuflich. Man darf sich nichts vormachen: Bis vor 23 Jahren war es selbstverständlich für jeden Jahnspieler, neben dem Fußball einen Beruf auszuüben oder zu studieren.

Die Neuzugänge der Meistersaison: Von links Hans Melzl, Hans Strohmaier, Günter Hödl, Rudolf Sänger, Bernd Lauterbach, Hans Herrmann, Günther Weiß, Xaver Scherübl und Werner Michalka mit Trainer Klaus Sturm

Für den angepeilten Aufstieg konnten gleich 3 Jahn-Rückkehrer gewonnen werden, die in der zwischenzeitlich teilweise in der 2. Bundesliga gekickt hatten (Hat aus heutiger Sicht ein wenig Sandhausen-Vibes). Darunter eine Vereinsikone, die in guten wie in schlechten Zeiten immer zum Verein stand: Werner Michalka. Das Regensburger Eigengewächs schaffte Mitte der 1970er Jahre den Sprung in die Profimannschaft des SSV. Nach drei überzeugenden Jahren, wo er für die Rothosen zur Stammkraft avancierte. Nach der Abwärtsspirale der weiteren Spielzeiten wechselte Michalka nach Ingolstadt zum ESV. Nach dem Abstieg des ESV aus der 2. Liga war er nun Feuer und Flamme für ein ambitioniertes Projekt in seiner Heimatstadt:

Sturms System bestand aus einem damals typischen 1-3-4-2. Wer sich jetzt fragt, ob hier ein Tippfehler vorliegt, täuscht sich: Zu dieser Zeit war es noch üblich einen sogenannten Libero einzusetzen. Wie der Name verrät, waren die Liberos „frei“ von direkten Gegenspielern im Fußball des letzten Jahrhunderts, in dem vorrangig auf Manndeckung gespielt wurde. So konnten Liberos als Kreativköpfe situationsbedingt in Offensiv- und Defensivformationen agieren. Diese Position bekleidete in der Saison 82/83 und darüber hinaus der Kapitän Werner Michalka.

Die Mission war klar: Aufstieg, um wieder in einer Liga mit 1860, Bayreuth oder auch Straubing zu spielen. Im ersten Stadtderby seit 1948/49 gegen den Post-SV setzte es vor 6000 Zuschauern im Jahnstadion eine 3:4 Auswärtspleite. Warum Auswärts? Da beim Post SV chronischer Platzmangel herscht, wich man für die Heimspiele oft in das Jahnstadion aus, vor allem bei solch großen Kulissen. Kleiner Funfact am Rand: 3 Jahre später fusionierte der Post SV mit der TSG Regensburg Süd zum heute bekannten Verein SG Post/Süd Regensburg. Genau der Verein, der den Jahn beinahe als Nummer 1 der Stadt verdrängt hätte und u.a. mit Dieter Eckstein (fast 300 Bundesligaspiele) ein DFB-Pokal Spiel gegen Hertha BSC im Jahnstadion nur knapp verlor. Wie sich der Jahn auf umstrittene Art und Weise die Dienste der Post/Süd Fußballer sichern konnte, ist eine andere Geschichte.

Das Auswärtsspiel im Jahnstadion gegen den Post SV Regensburg

Rauschende Aufstiegsfeier

Trotz dieses Rückschlags im Derby fand die Elf von Klaus Sturm zu ihrer gewohnten Form zurück und schnappte sich mit der Winterpause endgültig die Tabellenführung, die man bis zuletzt nicht mehr hergab. Doch so souverän wie das klingen mag, kam es nicht: Verletzungssorgen bremsten die Rothosen im Endspurt aus, während der FC Amberg dank des bundesligaerfahrenen Keepers Hans Dotzler eine Siegesserie starten konnten. Und plötzlich bahnte sich an den letzten beiden Spieltagen ein Herzschlagfinale an: Während sich die Sturm-Elf zumindest stabilisieren konnte (2:2 in Herzogenaurach), sorgte Amberg am 33. Spieltag 3:2 gegen Burglengenfeld für folgende Ausgangslage: Amberg mit 47 Punkten, Regensburg mit 48. Nur der Meister steigt direkt auf, der Vizemeister muss in die Relegation.

Für die Mannen in Rot und Weiß galt also: Alles außer verlieren ist erlaubt. Erwartet wurde eine riesige Kulisse, sowohl aus Regensburg als auch aus Amberg. Am Ende strömten über 10000 Zuschauer ins Jahnstadion zu einer Viertligapartie. Wir müssen diese Zahl in den damaligen Kontext stellen: Damals betrug der Schnitt der 2. Bundesliga knapp 5000 pro Spiel, aus heutiger Sicht undenkbar. Einem MZ Bericht zufolge fand man im Umkreis von mehreren Kilometern um das Stadion keinen Parkplatz. Die Regensburger Stadionlogistik wurde auf eine harte Probe gestellt.

In einer Zeit ohne Onlineshops mussten sich mehrere Tausend Zuschauer natürlich eine physische Karte kaufen. Der Plan der Verantwortlichen war: Möglichst viele Zuschauer früh ins Stadion locken. Wie schafft man sowas? Natürlich mit Freibier! Gleich 5 Fässer stellte Bischofshof von „nebenan“ bereit. Anscheinend durchkreuzten die Amberger Auswärtsfahrer diesen Plan, die durch ihre frühe Ankunft, bereits 3 Stunden vor Anpfiff war das Stadion geöffnet, große Teile der Vorräte leerten. Einige wartende Zuschauer hofften, dass der Anpfiff nach hinten verschoben würde. Diese Bitten wurden nicht erhört.

Der Optimismus der „Eventies“ äußerte sich in so mancher Spitze gegen die Amberger und wandelten sich im Laufe des Spiels in Ernüchterung. Während die Jahnelf auf Nummer sicher ging, um „hinten“ nichts anbrennen zu lassen, gelang es auch den Ambergern nicht die entscheidende Lösung zu finden. Ein unspektakuläres 0:0 wandelte sich in völlige Ekstase im weiten Rund. Platzsturm, Meisterfeier, lange Nacht. Alles war dabei!

Jahn-Kapitän Werner Michalka erhält den Meister-Wimpel der Landesliga Mitte

Ausgelassener Jubel in der Jahn Kabine nach dem Aufstieg

Konsolidierung und Evergreen

Gibt es etwas, dass besser zu einem Aufstieg passt als ein Neukomposition des bekanntesten Liedes über den SSV? Der langjährige Schullehrer Günther Behrle, der sich um diese Zeit mit seinem eigenen Tonstudio selbstständig machte, hatte sich vorgenommen, die langjährige Hymne des Jahn zu modernisieren. Von ihm stammte auch die originale Version der Jahn Hymne, die vor jedem Heimspiel durch das Stadion schallt. In seiner Karriere arbeitete er u.a. mit Ralph Siegel, Heino, Peter Alexander, Bata Ilic, den Flippers oder Chris Roberts zusammen. Und nun standen Trainer Klaus Sturm und eine handvoll Spieler des Jahn im Studio im Prüfeninger Schloss. Alois Kindler, seines Zeichens ehemaliger Domspatz, sang dann die einzige Strophe ein. „Eine große Jahnfamilie wollen wir immer sein, in guten wie in schlechten Zeiten Treue dem Verein“. Währenddessen sang der Rest der Spieler mit Klaus Sturm den Refrain zu fetzigen Brass-Klängen ein. Warum hören wir dieses kultige Lied eigentlich nie im Stadion?

Zu den Highlights der folgenden Saison 83/84 zählte unbestritten ein 2:3 Auswärtssieg im Grünwalder Stadion beim späteren Meister 1860 München oder ein 2:1 Heimsieg gegen den FC Augsburg. Die großen Massen an Zuschauern wurden aber von anderen Spielen in das Jahnstadion gelockt. Nach einem furiosen Saisonstart, mit 7 Punkten nach 3 Spielen, strömten am 4. Spieltag gegen Bayreuth gut 11000 Zuschauer an die Prüfeninger Straße. Die damals zweitligareife Kulisse wurde nicht enttäuscht: Die Mannen um Michalka und co schlugen auch die „Oldschdod“ und krönten damit einen tollen Saisonstart.

Auch das Heimspiel gegen Fürth am 12. Spieltag ist noch gut dokumentiert: 15000 Zuschauer im ausverkauften Rund gegen den ehemaligen deutschen Meister und damaligen Tabellenführer. Da das Stadion erst 4 Jahre später seine dauerhafte Flutlichtanalge erhielt, fand das Spiel höchst wahrscheinlich mit einer improvisierten Beleuchtungsanlage statt. Fürth machte zu Anfang das Spiel, ging dank eines Torwartfehlers in Führung und zeigte das ansehlichere Spiel, während der Jahn über v.a. über Körperlichkeit ins Spiel kam. In Hälfte 2 schaffte es Fürth, trotz eines irregulären Tores, nicht das 0:2 nachzulegen, während die Domstädter wie aus dem Nichts den 1:1 Endstand durch Melzl erzwangen.

Außerdem gab es aus neutraler Sicht ein Highlight: Am 8. Oktober spielte der ASV Burglengenfeld in der 2. DFB Pokal Runde gegen Werder Bremen, damals noch mit Rudi Völler. Nebenbei bemerkt: Jahn-Legende Aki Schmidt saß auf der Trainerbank beim ASV. Er führte den Jahn zweimal auf Platz 5 in der damals zweitklassigen Regionalliga Süd und sprang bis in die 90er Jahre immer wieder als Trainer ein.

Die Mannschaft der Saison 1983/84

In der Folgesaison ging die Aufstiegseuphorie des Regensburger Publikums zurück. Gegen Fürth kamen Mitte April gerade einmal 1150 Zuschauer an die Prüfeninger Straße, wenig später gegen Frohnlach waren es sogar nur noch 800. In einem biederen Duell hatte der Jahn gegen die Kleeblättler dieses Mal die Nase vorn, die Art und Weise muss aber schmerzhaft für die Augen gewesen sein. Der Trainer der SpVgg Günter Gerling zog nach dem Spiel das Resümee: „Man konnte glauben hier spielten der Letzte gegen Vorletzten der Bayernliga, wobei wir die Letzten darstellten.“

Ein Tor für die Ewigkeit

Wir schreiben den 16. April 1985. An diesem ganz normalen Frühlingstag sollte sich der Jahnspieler Otto Baumgartner ein mehr oder weniger rühmliches Denkmal setzen. Wenige Sekunden nach seiner Einwechslung durch Klaus Sturm kam der 22-Jährige an den Ball. Zielstrebig setzte er zu einer Offensivaktion an. Die Abwehrspieler machten keine Anstalten ihn aufzuhalten, schließlich waren es seine eigenen. Sein Torwart wird später nach dem Spieler zugeben: „Ich dachte bis zuletzt, Otto würde ´ne Rückgabe machen.“ So kam es leider nicht. Eigentlich hat Baumgartner wenige Sekunden zuvor einen Ball seines Torwarts angenommen. Am eigenen Strafraum angekommen lässt er den eigenen Mann aussteigen und vollendet flach rechts.

Warum der Jahnspieler derart illusioniert auftrat, wurde in den nationalen Medien heiß diskutiert/spekuliert. Man kam zu der Erkenntnis, dass eine kürzlich zurücklegende Gehirnerschütterung den Blackout verursacht haben könnte. Er selbst meinte dazu: „Ich hatte totalen Filmriss. Ich hab´ bei meinem Sturmlauf nichts gehört und nichts gesehen. Als ich die entsetzten Gesichter meiner Kameraden sah, wurde mir bewusst, was ich angestellt hatte.“ Damals wurden noch andere Ursachen in Erwägung gezogen: Eine zuvor erlittene Gehirnerschütterung und Stress in der Berufsausbildung haben ihm damals wohl stark zugesetzt.

Klaus Sturm kommentierte die außergewöhnliche Situation später: „Er war kurz vorm Nervenzusammenbruch, saß nach dem Spiel noch geistesabwesend in der Kabine. Wir mussten ihm die Sportklamotten ausziehen und ihm in seine Privatsachen helfen.“ Was folgte, war ein Auftritt in Joachim Fuchsbergers Unterhaltungsshow „Auf los, geht’s los“. Damals erfuhr ganz Deutschland zur Prime Time aus erster Hand, wie es dazu kommen konnte. Nicht bestätigten Quellen zufolge, schaffte es das Tor sogar in die indischen Medien. Das Tor sollte als eines der spektakulärsten Eigentore in die Fußballgeschichte eingehen.

Besonders schicksalhaft: Angeblich hatte Ulli Hoeneß schon einen vorbereiteten Vertrag für den U-Nationalspieler. Daraus wurde nach diesem kapitalen Fehler nichts. Stattdessen beendete Baumgartner seine aktive Karriere und trat in das familieneigene Logistikunternehmen ein. Was der ehemalige Jahnspieler heute macht, konnte eine ausgedehnte Recherche leider nicht beantworten. Sollten Sie das lesen, Herr Baumgartner, würden sich sicher viele Jahnfans freuen, mal wieder von ihnen zu hören.

Die späteren Jahre

Zur Saison 85/86 verließ Klaus Sturm den Jahn. Für ihn übernahm der langjährige Zweitligatrainer Hannes Baldauf. Dank eines überragenden Alfred Steinkirchner, der 20 Tore beisteuerte, landete man auf Platz 5. Zum Ende seiner Karriere, nach einigen Bundesligaspielen und einigen erfolgreichen Jahren für die Stuttgarter Kickers, ließ es der spätere Leiter des DFB Stützpunkts Straubing zum Ausgang seiner Karriere nochmal richtig krachen.

Auf den furiosen fünften Platz, kam im Folgejahr die Ernüchterung. Man kam schlecht aus der Sommerpause und konnte sich nur durch die starke Heimbilanz über dem Strich halten. Ähnlich wie einst in Belo Horizonte gab es ein 7:1 für die Münchner Löwen. Eine Demütigung, die im Rückspiel mit einem 2:1 ein wenig gutgemacht werden konnte. Zum Saisonende kam Klaus Sturm wieder zurück an die Seitenlinie. Rückholaktionen waren schon immer ein Ding an der Prüfeninger Straße.

Das Mannschaftsbild der Saison 86/87 mit Trainer Hannes Baldauf

Doch trotz personeller Neuausrichtung kam man einfach nicht in den Trott. Es setzte peinliche Liga-Niederlagen u.a. gegen Kronlach, Plattling, Frohnlach und Heidingsfeld. Hier könnt ihr die Ergebnisse der Saison durchgehen. landete der Jahn auf dem obersten Abstiegsplatz. Es ging also in die Relegation

In den Weiten des Internets findet man wenige Filmaufnahmen unserer Jahnelf aus dem vergangenen Jahrhundert. Eine davon haben wir einem Fan des FC Miltach zu verdanken. Zur Saison 87/88 wurde Miltach Vizemeister in der damals viertklassigen Landesliga Mitte. Somit qualifizierte man sich zur Relegation zur dritklassigen Bayernliga gegen den Jahn. Der besagte Fan begleitete das Team ein ganzes Jahr über mit seiner Kamera. Zur Einordnung: Der damalige ambitionierte Viertligist spielt heute in der Kreisklasse Cham/Schwandorf Ost (9.Liga). Auf besagten Filmaufnahmen ist zu verfolgen, wie die Jahnelf unter Klaus Sturm im Straubinger Stadion am Peteswöhrd vor 6000 Zuschauern am 11. Juni 1988 eine schicksalhafte 2:0 Niederlage einstecken musste. Der Abstieg in die 4.Liga war einmal mehr die Folge

Die Miltacher blicken mit einem wehmütigen Auge zurück auf ihren Triumph. Der Dorfverein glänzte durch regionale Geschlossenheit und eine gute Teamchemie durch ausschließlich lokale Spieler aus dem Bayerwald. Den angepeilten Aufstieg in die Drittklassigkeit verpassten die Miltacher denkbar knapp, trotz Führung in der Verlängerung.

Natürlich bedeutete dieser Abstieg einen personellen Aderlass: u.a. der langjährige Zweitligaspieler Hermann Grabmeier verließ den Jahn in Richtung Freier TuS. Erstmals gab es nun wieder in der selben Liga Stadt-Derbys gegen die SG Post/Süd und den TSV Kareth-Lappersdorf. Und genau gegen die setzte es vor 800 Fans eine saftige 4:2 Auswärtspleite, zum Glück nur in der Sommerpause als Vorbereitungsspiel. Da das Zuschauerinteresse auf einem neuen Tiefpunkt war, zieht sich hier auch die Quellenlage auf ein Minimum zurück. Ein konsolidierter Jahn landet auf einem soliden siebten Platz, zu wenig für die großen Ambitionen.

Doch schon im nächsten Jahr sollte der Jahn wieder auferstehen, erstmal. Die 90er Jahre, das wohl dunkelste Jahn-Jahrzehnt, nehmen wir uns zu einem anderen Zeitpunkt vor. Wer sich weiter detailliert mit der Jahn-Geschichte beschäftigen möchte, kann online ganz kostenlos Teile des Buchs „Träume, Tränen, Triumphe – 100 Jahre Jahn-Fußball“ von Jahn Archivar Wolfgang Otto lesen. Eine klare Leseempfehlung gibt es auch für das Buch 111 Gründe, den SSV Jahn Regensburg zu lieben von Tobi Braun. Auch bieten euch die zahlreichen Veranstaltungen und Ausstellungen des Jahn Archiv regelmäßig die Möglichkeit zum Staunen, in Geschichten schwelgen und mit echten Fußball-Legenden in Kontakt zu kommen.