Es ist August, es ist heiß. Die Pause war lang – und viele sind wohl auch heiß drauf, dass die neue Saison endlich wieder losgeht, dass es wieder Fußball gibt im Jahnstadion und in der 3. Liga. Und hoffentlich ist auch die Jahnelf heiß auf eine neue, lange und – so wünschen wir es uns – möglichst erfolgreiche Saison 2026/27.
Doch was können wir eigentlich erwarten, was gibt der neue Kader (Titelfoto aus dem Trainingslager in Unterhaching, Niekoe) so her und wo könnte es hinführen? Ich wage mich an eine kleine Analyse des gesamten Kaders, in dem es diesen Sommer zwar keinen extremen Umbruch gab – aber es trotzdem einige Neuzugänge zu begrüßen gibt – welche Tom auch schon ausführlicher in drei Teilen beleuchtet hat.
Auch wenn natürlich die Transferphase noch bis Ende August läuft und man beim Fangespräch heraushören konnte, dass man weiter die Augen offen hält und es vielleicht noch einen weiteren Neuzugang, eventuell in Form einer Leihe geben könnte, dürfte der jetzige Kader weitgehend der sein, mit dem man die Saison bestreiten wird – zumindestens mal bis zur Winterpause.
Torhüter

Einen großen Umbruch gab es im Tor, nach den Abgängen von Felix Gebhardt in die Schweiz und Julian Pollersbeck, der noch ohne neuen Verein ist sowie Leon Wechsel, bei dem man die Kaufoption nicht gezogen hat, ist einzig Alex Weidinger weiterhin im Kader verblieben. Er wird vermutlich weiterhin seine Rolle als Nummer 3 zuverlässig ausfüllen und außerdem ein wichtiger Bestandteil des Teams bleiben.
Spannend ist hingegen, wer sich im Lauf der Saison als neue Nummer 1 etablieren wird – aktuell scheint Hannes Hermann (Foto: Niekoe) leicht die Nase vorn zu haben, was sich aber jederzeit ändern kann.
Spannend ist zudem das Konzept, dass man zwei sehr junge neue Torhüter verpflichtet hat – der gerade mal 21jährige Hermann ist hierbei für ein Jahr vom HSV ausgeliehen worden, während der noch ein Jahr jüngere Max Schmitt vom großen FC Bayern fest verpflichtet werden konnte.
Nominell ist hier im Gegensatz zu zum Beispiel der Saison, als Felix Gebhardt neu geholt wurde, niemand von vorn herein als klarer Stammtorhüter zu sehen und es ist von einem offenen Duell auszugehen – vielleicht auch mal mit einem Torhüterwechsel während der Spielzeit verbunden.
Hermann hat eine Saison als Stammkeeper in der Regionalliga Nord hinter sich, während Schmitt letzte Saison an den (falschen) SSV aus Ulm ausgeliehen war und in der Rückrunde im Abstiegskampf auch zu einiger Spielzeit in Liga 3 kam. Da ich absolut kein Experte für Torhüterspiel bin und die Datenlage in der Regionalliga allgemein und bei Schmitt wegen der wenigen Spiele letzte Saison im speziellen sehr wenig aussagekräftig ist, vermag ich mir da überhaupt kein Urteil zu bilden.
Ich habe Schmitt ein wenig beobachtet letzte Saison, die natürlich ohnehin schwierig war für den gesamten SSV Ulm, und als so junger Torhüter hinter einer Vereinslegende wie Ortag im Abstiegskampf überhaupt zu Spielen zu kommen, ist erstmal durchaus respektabel. Bei den Gegentoren hat er keine entscheidenden Fehler gemacht – eine überragende Torhüterleistung war aber generell auch nicht mal dabei. Auffällig ist, dass Schmitt versucht, mit dem Fuß gut mitzuspielen, dabei ihm aber auch immer mal wieder ein Fehler unterläuft.
Hermann habe ich vor seinem Wechsel zu uns noch garnicht spielen sehen, insofern entfällt hier jedes Urteil. Der HSV scheint ihm aber auf jeden Fall mehr zuzutrauen, sonst hätten sie nicht erst seinen Vertrag verlängert um ihn danach an uns auszuleihen.
In Summe denke ich, dass wir aufgrund der Jugend und Unerfahrenheit der beiden auch mal den einen oder anderen Fehler erleben werden und verzeihen müssen – und vielleicht zumindest zu Saisonbeginn im Vergleich zu letzter Saison mit Felix Gebhardt etwas schwächer aufgestellt sind, was sich aber mit weiterem Saisonverlauf auch positiv entwickeln kann.
Spannend finde ich generell das Konzept, auf zwei extrem junge und entwicklungsfähige Torhüter zu setzen, das ist schon mutig. Im Hinblick auf kommenden Sommer ist es meiner Meinung nach aber auch clever, mit Schmitt nur einen davon sicher weiter unter Vertrag zu haben, so kann man, sollte sich dieses Konzept nicht bewähren, einen anderen, vielleicht auch erfahreneren Torhüter dazu holen – und sollte es klappen und Hermann nicht gleich eine absolut überragende Saison haben, halte ich es für alles andere als unwahrscheinlich, dass man mit dem HSV dann entweder über eine erneute Leihe oder über einen festen Transfer spricht.
Innenverteidigung
Die Wimmersche Fünferkette wirft hier immer noch ganz große Schatten. Mit Wurm, Strauss, Karbstein, Ziegele, Mätzler und Kieffer hat man trotz des Leih-Endes von Nick Seidel nominell erstmal sechs (!) Innenverteidiger im Kader, ohne dass hier ein neuer gekommen wäre. Das bedeutete natürlich extrem wenig Spielraum hier für Alexander Schmalhofer, der trotzdem mit Erik Majetschak noch einen Spieler verpflichtet hat, der sogar auch noch hier spielen könnte – auf ihn werde ich aber natürlich auf seiner eigentlichen Position im Mittelfeld näher eingehen.
Für eine Viererkette ist das natürlich zu viel, weswegen primär vier dieser sechs Spieler vorgesehen sein dürften für diese Position. Wenig überraschend ist als Stammspieler hier Felix Strauss (Foto: Niekoe) eingeplant, der ebenso wenig überraschend unser neuer Kapitän ist. Mit seiner Mentalität bildet er hoffentlich einen wesentlichen Bestandteil einer stabilen Defensive – auch wenn es bei ihm bekanntlich auch Schwächen beim Spielaufbau gibt und auch er letzte Saison nicht frei von Fehlern war. Trotzdem halte ich ihn für einen ordentlichen Drittligaspieler, menschlich ist er eh wichtig, auf den man bauen kann. Neben ihm ist mit Poldi Wurm jemand, der (leider) vielleicht in seine letzte Saison bei uns gehen wird. Wenn man seine Entwicklung beachtet, dann ist das ein klares Argument pro NLZ, wenn man sich die Daten ansieht, gehört er in seinen jungen Jahren schon in vielen Bereichen zu den besten Innenverteidigern der 3. Liga und hat zudem nebenbei noch für einen erheblichen Anteil der Fördergelder des Nachwuchsfördertopfs des DFB, bei dem der Jahn mit 421000 Euro Ligaspitze war, beigetragen. Sollte er fit bleiben, wird das voraussichtlich in der neuen Saison nicht viel anders sein und das allein ist schon ein zusätzliches Argument, ihn hier lieber in sein letztes Vertragsjahr gehen zu lassen, statt ihn zu verkaufen – eine unmoralische Summe, wie man bisweilen in Foren und Social Media erhofft, ist dabei sowieso extrem unrealistisch. Durch sein besseres Passspiel und etwas höheres Tempo sollte er sich sehr gut mit Strauss in der Viererkette ergänzen.
Malte Karbstein hatte leider wiederholt mit Verletzungen zu kämpfen, dürfte aber aufgrund seiner Leistungen wenn er fit ist jederzeit eine gute Option für die linke IV-Position sein, wenn man ihn benötigt.

Spannend war es zu beobachten, dass im Gegensatz zu Wimmer Ben Kieffer von Sascha Hildmann eindeutig als Innenverteidiger gesehen wird. Dies wurde sowohl in den Vorbereitungsspielen als auch in den Interviews dazu sehr deutlich. Für Kieffer wird es eine ganz wichtige Saison, ob er es schafft, sich Kaderplätze und Spielminuten zu erarbeiten und wie seine Reise im Profifußball dann weitergeht. Man darf nicht vergessen, dass er erst 18 Jahre jung ist. Bei Bedarf können natürlich jederzeit auch Ziegele, Mätzler und Majetschak in der Innenverteidigung spielen.
Nominell ist diese Position beim Jahn in Breite und Spitze mehr als gut aufgestellt. Ich hoffe, dass dies im Gegensatz zu letzter Saison, wo wir viel zu viele Gegentore kassiert haben, eine Stärke wird.
Das hängt aber auch stark davon ab, wie gut das Defensivverhalten gesamtheitlich sein wird – vor allem das Zusammenspiel mit der Außenverteidigung und dem Mittelfeld.
Außenverteidigung
Im Wimmerschen System noch Schienenspieler, sind unter Hildmann wieder mehr die klassischen Außenverteidiger gefragt. Gleich vorneweg – hier sehe ich die ersten größeren Fragezeichen in unserem Kader. Mit Nicolas Oliveira (Foto: Niekoe) und Robin Ziegele bzw. Bene Bauer und Oscar Schönfelder sind wir hier nominell doppelt besetzt.
Oliveira hat letzte Saison seine Stärken besonders offensiv gezeigt, das selbe trifft für Bauer zu – weshalb es mich schon überrascht, dass beide für die defensive Position eingeplant werden. Noch dazu, weil mit Schönfelder ein weiterer ursprünglicher Offensivspieler dort zu finden ist und mit Ziegele ein eigentlich gelernter Innenverteidiger.
Gerade bei Oliveira zeigen u.a. die Zweikampfwerte, dass er dort letzte Saison nicht unbedingt Ligaspitze war. Dazu kommt, dass in den letzten Jahren sowohl Schönfelder als auch Ziegele wiederholt mit schwereren Verletzungen länger ausgefallen sind, was das Risiko hier zusätzlich erhöht. Leicht positiv kann man anführen, dass mit Kieffer und Karbstein vielleicht noch zwei Spieler da sind, die notfalls dort auch spielen könnten.
Jedoch muss ich gestehen, dass ich mir auf dieser Position noch einen defensiver denkenden, nicht bekannt verletzungsanfälligen Spieler gewünscht hätte. Es hat mich doch zum Beispiel überrascht, dass wir laut den jüngsten Infos vom Fangespräch offenbar kein Angebot an Nick Seidel gemacht haben als einen Spieler, der sofort als linker Verteidiger sinnvoll gewesen wäre und in der nächsten Saison auch eine gute Perspektive auf einen Stammplatz in der Innenverteidigung gehabt hätte.

Hier werden wir hoffen müssen, von schwereren Verletzungen verschont zu bleiben und dass sich in der Viererkette das Defensivverhalten von Spielern wie Oliveira und Bauer verbessern wird oder dass sie sich damit leichter tun als als Schienenspieler. Meiner Meinung nach nicht unsere stärkste Kaderposition.
Zentrales Mittelfeld

Ich glaube, die meisten von uns haben längst erfolgreich verdrängt, dass wir vor einem Jahr mit Andi Geipl und Christian Kühlwetter als Stammspieler im zentralen Mittelfeld geplant hatten, um dann kurzfristig doch noch Adrian Fein (Foto: Niekoe) zu holen, was sich als so essentiell wie glücklich erwies. Nachdem Kühlwetter mittlerweile wieder in wesentlich offensiverer Position in Saarbrücken spielt und Geipl Kapitän der ambitionierten Chemnitzer Mannschaft in der Regionalliga ist, bleibt Fein als zentraler Bestandteil dieser Position.
Ich halte ihn auch für unseren absoluten Schlüsselspieler im Mittelfeld, der das Spiel gestalten und lenken kann, den wir auch nicht im Ansatz adäquat ersetzen können. Mit Leo Mätzler, Erik Majetschak, Bene Saller und Sascha Hingerl sind allesamt eher defensiv denkendere Spieler hier noch im Kader, welche einfach nicht die kreativen Fähigkeiten von Fein besitzen.
Majetschak als neuer Sechser sollte eine solide Option darstellen und kann hoffentlich die Rolle von Geipl früher einnehmen. Dass er aber im Spielaufbau nicht seine Stärken hat, konnte man sowohl in Aue als auch in der Vorbereitung hier gut beobachten. Für Leo Mätzler gilt als gelernter Innenverteidiger ähnliches – er dürfte der Konkurrent hier sein. Saller ist sicher ein – wenn er fit ist – weiter verlässlicher Backup, aber keiner wird vermutlich erwarten dass er noch 35 Spiele in der Saison machen kann.
Interessant wird es sein, ob Hingerl nochmal einen Sprung machen kann – wie viele war ich bei dem Transfer von Anfang an skeptisch. In der Vorbereitung wurde hervorgehoben, dass er gute Standards schießt – im letzten Saisonspiel gegen Cottbus hat er eigentlich auch nicht so schlecht ausgesehen – ob das reicht für Einsatzzeiten?
Unseren Gegnern wird auch nicht entgehen, dass sie gut gegen Fein agieren müssen, um uns spielerisch deutlich zu schwächen. Einiges wird davon abhängen, wie gut es uns gelingt, trotzdem die Stärken von Fein zu nutzen und wie stabil die Zentrale defensiv steht. Grundsätzlich sehe ich uns hier solide besetzt, vergleichbar mit letzter Saison.
Offensives Mittelfeld
Mit Noel Eichinger verlässt uns hier unser wohl offensiv bester Spieler der vergangenen Saison. Können wir das ersetzen?

Ganz früh wurde Nassim Boujellab (Foto: Niekoe) als Neuzugang bekanntgegeben. Er hatte nach einigen schwierigen Jahren, auch bedingt durch disziplinarische Probleme (Tom beschrieb es hier etwas mehr), letztes Jahr beim eigentlich sportlichen Absteiger Havelse eine mehr als produktive Saison mit insgesamt 13 Scorern.
Da wir aber, wenn man die Vorbereitung betrachtet, eher in einer Art 4-2-2-2 jetzt auflaufen werden, sind 1 zu 1 Vergleiche ohnehin schwierig. Was aber auffällt ist, dass mit Boujellab und auch David Philipp zwei technisch sehr gute Fußballer neu dazu kamen, die aber beide nicht das höchste Tempo besitzen. Nominell hinter den beiden befinden sich Sebastian Stolze, auf den ähnliches zutrifft und mit Arian Dizdarevic und Jakob Seibold zwei junge Spieler aus der Jahnschmiede. Gerade letzterer konnte in der Vorbereitung durchaus Werbung für sich machen und hat laut Sascha Hildmann noch einmal einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht. Es würde mich deshalb überhaupt nicht wundern, wenn wir ihn auch mal in der Startelf sehen würden in dieser Saison. Dizdarevic ist mit seinen 17 Jahren noch sehr jung und wird wahrscheinlich erstmal langsam an das Profiniveau herangeführt werden müssen.
Um einer erfolgreiche Saison zu haben, wird der Jahn gute Leistungen und auch einige Scorer aus dem offensiven Mittelfeld benötigen, gerade Boujellab und Philipp werden ein Schlüssel sein, in welche Richtung es gehen kann. Insbesondere Philipp wird sich hier im Vergleich zu den letzten zwei Jahren deutlich steigern müssen und kann hoffentlich eher an die guten Zeiten vorher bei der Viktoria anknüpfen. Aber er wäre nicht der erste, der in einem ruhigeren Umfeld als dem in Giesing wieder bessere Leistungen abrufen kann.
Grundsätzlich finde ich den Ansatz, technisch gute Fußballer hier haben zu wollen, sehr positiv – ebenso, dass der Kader hier offen ist, dass Jungs aus der Jahnschmiede es möglich haben, zu Kaderplätzen und Spielminuten zu kommen. Hoffentlich hilft das deren Entwicklung. Etwas problematisch sehe ich das mangelnde Tempo im offensiven Mittelfeld.
Sturm
An der Anzahl an Mittelstürmern hat es in den letzten Jahren beim Jahn sicherlich nie gelegen. Man hatte eher den Eindruck, dass man, wenn es nicht gut lief, im Zweifel noch einen weiteren geholt hat. Qualitativ sah es da freilich leider oft anders aus und man hat eigentlich seit Jahren Probleme, sich auf dieser Position gut aufzustellen.
Die Besetzung des Kaders im Sturm hat Alexander Schmalhofer (Foto: Niekoe) sicher einiges Kopfzerbrechen bereitet. So gab es gewollte Abgänge wie den von Phil Beckhoff, der in seiner Zeit beim Jahn leider überhaupt nicht in Tritt kam und in beinahe allen statistischen Kategorien zum Teil deutlich unterdurchschnittliche Werte aufwies als auch mit dem von Erik Hottmann einen sicher ungewollten und für viele Fans auch überraschenden Abgang. Ob es für Achim Beierlorzer spricht, dass er Hottmann nicht halten konnte, ohne eine Ausstiegsklausel zu einem Ligakonkurrenten im Vertrag zu verankern, muss wohl jeder für sich selbst beantworten.
Dann kommt dazu, dass mit Davis Asante ein Spieler, der erst schon nicht überzeugen konnte und sich dann bei seiner Leihe schwer am Knie verletzte, und mit Florian Dietz zwei langfristig verletzte Spieler im Kader stehen. Gerade für Dietz möchte ich hier mal eine Lanze brechen – erst die Tatsache, dass er seine Problematik mit Long Covid öffentlich machte (jeder, der damit mal in Berührung war, weiß, wie schlimm das ist) und dann die erneute schwere Schulterverletzung nötigen mir ausschließlich ab, dass man ihn uneingeschränkt unterstützen sollte – und nicht wie so oft auch noch mit Häme und Spott begleitet! Jederzeit kann man hingegen Beierlorzer aufgrund zahlreicher Argumente für die Verpflichtung von Dietz kritisieren – aber doch nicht den Spieler selbst dafür verantwortlich machen.
Leichter wurde die Kaderplanung sicher auch nicht dadurch, dass zumindest bisher Lucas Hermes (auch u.a. aufgrund von Verletzungen) und John Posselt noch nicht wirklich ihr Leistungsniveau abrufen konnten bzw. der Mannschaft entscheidend geholfen haben.


Als Reaktion auf den Abgang von Hottmann wurde mit Patrick Hobsch ein erfahrener Drittligastürmer verpflichtet. Ich denke, es ist unfair, die beiden miteinander zu vergleichen, da sie ganz unterschiedliche Stärken und Schwächen besitzen. In der Abschlussqualität sollte Hobsch ein Upgrade darstellen, wobei es auch oberflächlich wäre, ihn darauf zu reduzieren. Trotzdem wird es mit entscheidend sein, ob und wie man ihn in diese Positionen bekommt. Aber auch im Spiel gegen den Ball oder etwa den Zweikampfwerten zeigt er für einen Stürmer überdurchschnittliche Werte. Bei den technischen Fähigkeiten und im Tempo braucht man hingegen sicher keine Wunderdinge erwarten. Gespannt bin ich auch, wie er sich von der Persönlichkeit hier einfügen wird – ein erstes Zeichen ist schonmal, dass er als Neuer sofort einen Platz im Mannschaftsrat eingenommen hat – und ich glaube (oder hoffe), dass so ein Charakter mit ein wenig Ecken und Kanten dieser Mannschaft mal gut tun kann.
Als zweiter Neuer ist Leihgabe Marco Wörner ein gänzlich anderer Spielertyp, der einen größeren Aktionsradius hat und wuseliger sein dürfte. Leider wird er wegen einer Verletzung gleich mal ein paar Wochen ausfallen.
Das könnte Lucas Hermes, der keine schlechte Vorbereitung hatte, entgegenkommen. Ich finde seine Rolle ohnehin spannend, da jetzt nach dem Abgang von Hottmann und der Verletzung von Dietz er ein Spielertyp ist, der plötzlich nicht mehr mehrfach nochmal im Kader vorhanden ist und er sich vielleicht mit einem Hobsch ganz gut ergänzen könnte.
Das größte Fragezeichen habe ich zweifellos hinter John Posselt (Foto: Niekoe). Gerne wünsche ich mir, ihn mal in dieser Pose öfter zu sehen. Dass er großes Talent besitzt, scheint unbestritten, aber kann man hier sein Talent auch so fördern, dass er es auf den Platz bringen kann? Passt es für ihn von seiner Persönlichkeit her, kann und will er sich durchbeißen?
Ich denke, bei ihm wird die Hinrunde ganz entscheidend werden, ob er sich durchsetzen kann und ob man für ihn eine Position im System findet, auf der er seine Stärken ausspielen kann. Sollte das nicht der Fall sein, werden eventuell beide Seiten schon in einem halben Jahr über die gemeinsame Zukunft nachdenken.

Florian Dietz und Davis Asante lasse ich hier bewusst außen vor, da ich aufgrund der genannten Gründe nicht glaube, dass sie in dieser Saison (zumindest in der Hinrunde) überhaupt eine Rolle für den Jahn spielen können. Dafür möchte ich Niklas Schicha nicht unerwähnt lassen, der sich mit gerade mal 16 Jahren in der Vorbereitung schon mal (positiv) zeigen durfte und auch aufgrund von den Verletzungen anderer vielleicht durchaus mal in den Kader rücken könnte. Auch dürfte der Sturm die Position sein, wo man am ehesten noch einen Neuzugang in Form einer Leihe erwarten kann.
Der Sturm ist vielleicht nicht besser, aber stimmiger aufgestellt als letzte Saison. Wenn man Hobsch in Abschlusspositionen bekommt, hätte man einen dringend benötigten Knipser und mit Wörner, Posselt und Hermes hat man durchaus interessante und variable Spielerprofile außen herum.
Fazit und Prognose
Wozu kann das alles jetzt reichen in dieser engen Liga? Ich denke, unser Kader ist nicht unbedingt stärker als in der letzten Saison, besitzt punktuelle Schwächen und Stärken wie oben beschrieben. Ein Plus könnte aber sein, dass er stimmiger besetzt ist. Wenn man das vergleicht mit den großen Favoriten um Rostock, Düsseldorf, Essen, Duisburg etc., dann sieht man aber auch schnell, dass zumindest nominell andere Teams erstmal individuell stärker besetzt sind.

Trotzdem sieht man, dass der Kader ausgewogen und überall mindestens doppelt besetzt ist und auch einige Spieler dabei sind, die gehobene Drittligaqualität aufweisen. Die Mannschaft stotzt nicht gerade vor Erfahrung – die Mischung sollte aber passen und junge Spieler, auch die aus der Jahnschmiede, dürften für sich selbst eine gute Perspektive auf Spielzeit sehen. Hoffentlich motiviert das zusätzlich.
Die Knackpunkte dürften sein, wie abhängig man von der Kreativität eines Adrian Fein ist, ob man defensiv, speziell auf den Außenverteidigerpositionen stabil genug ist (und wie stabil unsere verletzungsanfälligen Spieler dort durch die Saison kommen) und ob der spielerische Ansatz in der Offensive ausreichen wird, um genügend Chancen und Tore zu kreieren.
Denn hier ist neben der erwähnten Außenverteidigung mein größter Kritikpunkt dieses Kaders: Es fehlt mir an Spielern mit Tempo, was es sowohl in der Rückwärtsbewegung schwierig machen kann als auch besonders kann es für uns schwierig werden, im Konterspiel zu Toren zu kommen und der Gegner kann selbst höher stehen.
Daher, wenn ich noch einen Wunsch hätte, wäre das ein Spieler, der in der Offensive flexibel einsetzbar ist und eine hohe Geschwindigkeit mitbringt.
Mit ganz oben mitspielen rechne ich in dieser Saison absolut nicht, ganz hinten sollte es auch einige Mannschaften mit weniger Qualität haben. Ich rechne mit einem Platz im Mittelfeld, wenn es gut läuft wird dieser knapp einstellig, wenn besagte Probleme auftauchen, kann es eher sein, dass es etwas weiter nach hinten geht. Platz 8 bis 14 ist mein Tipp. Dass aber in dieser verrückten Liga in beide Richtungen jederzeit viel passieren kann, ist ja nichts neues…
Was denkt ihr? Wie ist der Kader und wofür reicht das am Ende?




