Das Jahr 2026 ist noch nicht alt, und man sitzt als Jahn-Fan durchaus gefrustet zu Hause. Die beiden Spiele gegen Duisburg und Ingolstadt waren hart und nicht schön anzusehen. Dennoch fragt man sich aber auch: Sehe ich nur alles schwarz? Waren das nur Ausrutscher? Bin ich nicht zu harsch zu den Jungs?
Wenn man in einer Situation ist, in der die Gedanken rasen, hilft es oft, wenn man einen Schritt zurückmacht und die Situation für sich versucht, noch einmal zu bewerten. Dies wollen wir, nach einem kurzen Blick auf das, was so passiert ist, tun. (Foto: Köglmeier)
Was bisher so passiert ist
Die Transferphase läuft. Bei unserem SSV Jahn ist ja bisher einiges an Bewegung gewesen. Neben den bekannten Wechseln von Hingerl, Wechsel und Posselt kam jetzt noch mit Malte Karbstein jemand für die Defensive dazu. Der neue Mann scheint vom SSV Jahn überzeugt zu sein, der Wechsel fiel ihm anscheinend relativ leicht. Natürlich wird dabei auch etwas Frust eine Rolle gespielt haben, denn Karbstein verlor seinen Stammplatz in Mannheim und bestritt in den letzten Monaten kaum ein Spiel. Einige Fans haben sich noch jemanden für die Innenverteidigung gewünscht, und das erfüllt er auf jeden Fall. Seine Leistungen laut Kicker waren bei Mannheim durchaus stabil.
Und das Lob für Dr. Schmalhofer ist aktuell durchaus groß. Immerhin wirken seine Transfers etwas durchdachter als bei einigen seiner Vorgänger, und er griff die Positionen an, wo auch die Fans die Probleme sahen. Mit einem Schmunzeln muss man auch sagen: Er holte auch Spieler und registrierte sie!
Die Kaderplanung dürfte beim SSV Jahn nun sicherlich langsam zu Ende sein, zumindest auf der Seite der Zugänge. Auf der Seite der Abgänge darf man sicherlich noch gespannt abwarten, ob noch jemand den Absprung macht. Passenderweise ist einer unserer Abgänge, Dustin Forkel, bei unserem nächsten Gegner untergekommen. Die Leihe wurde ja bekanntermaßen beendet.
Der FC Schweinfurt war eben durch den genannten Dustin Forkel auf dem Transfermarkt aktiv. Doch das war nicht alles. Die Schweinfurter, die sich durchaus für den Klassenerhalt strecken müssen, waren insgesamt sehr aktiv auf dem Transfermarkt. Während eine Leihe mit dem Club abgebrochen wurde (Obiogumu), gab es zwei weitere Leihen vom Club (Forkel & Osawe). Kevin Frisoger, der suspendiert war, verließ die Schnüdel nach Aubstadt, und Jakob Tranziska verschlug es sogar nach Südkorea. Was für ein Tapetenwechsel. Vakouftsis Nikolaos kam von Fürth II für die Innenverteidigung, und mit Mustafa Özden kehrte ein Spieler aus der Jugend zurück.
Viel Bewegung, und dennoch bleibt am Ende eine Frage: Schafft es die Mannschaft von Victor Kleinhenz? Stehlen sie uns Punkte oder stoßen sie uns wieder ganz nach unten?
In den letzten zehn Spielen verlor man achtmal und konnte zweimal siegen. Zuletzt stellte man der Viktoria aus Köln ein Bein. Und auch trotz der Niederlagen: Die Spiele gegen Schweinfurt waren durchaus eklig, so stellten sie auch fast Cottbus ein Bein. Dennoch dürften die Schnüdel durchaus 110 % geben, um den Klassenerhalt zu schaffen.
Zurücknehmen und neu bewerten
Ein sogenannter Setback oder ein Realitätscheck hilft oft, einen klaren Kopf zu behalten und sich auf die Dinge zu fokussieren, die wichtig sind. Denn auch wenn man etwas lächelt, wenn man an die Situation der Schnüdel denkt, so sollte man seinen Blick ruhig mal vor die eigene Haustür legen.
Mit Erzgebirge Aue würde zum heutigen Stand der erste Absteiger feststehen. Die Jungs aus dem Schacht, gegen die wir so bitter verloren haben, können 22 Punkte ihr Eigen nennen. Und unser Jahn? Der hat 24 Punkte und rangiert auf Rang 14. Die Vereine zwischen uns haben jeweils 24 und 23 Punkte.
„Wieder die Mannschaft anzählen? Oder sogar den Trainer? Jahn-Blog, lass dir was Neues einfallen.“ Nun, natürlich sind die Mannschaft sowie das Trainerteam in der Pflicht. Anzählen möchte ich aber keinen. Tobi von 1889fm sagte es am Spieltag gegen Duisburg eigentlich sehr treffend.
Das hat in meinen Augen nichts mit Wimmer zu tun, der holt schon das Maximum raus. Heuer ist halt nicht mehr drin als Abstiegskampf 3. Liga.
Tobi von 1889fm
Das hat hoffentlich jetzt auch wirklich jeder verstanden, der schon wieder nach oben geschielt hat, dass es nur um die Liga geht.
Ähnlich sehe ich es auch. Wir haben vor diesen zwei Spielen teilweise richtig gut gespielt und gesehen, dass die Jahnelf es durchaus draufhat. Immerhin waren wir in einer bestechenden Form. Gegen Duisburg kann man auch mal verlieren, und Ingolstadt ist sicherlich kein Fallobst. Und unser Trainer ist sehr bemüht. Man kann sicherlich nicht immer mit allem einverstanden sein, aber den Einsatz kann man ihm nicht absprechen. Eine Diskussion über seine Personalie wäre absolut verfrüht und auch überzogen. Denn wie bereits im Zitat erwähnt: An ihm liegt es nicht zwangsweise.
Was stört uns aber nun, wenn wir wissen, dass es die Mannschaft kann und auch der Trainer gewillt ist?
Der Auftritt. Es geht um die Art, wie sich präsentiert wurde. Dieses Schreckgespenst war kurzzeitig vergessen, ist aber schneller wieder da, als man meint. Wäre es ein Spiel gewesen, hätte man gesagt: Passt schon. Aber es sind einfach zwei. Und nach wie vor habe ich den Glauben daran, dass sich das kaum jemand, der es letztes Jahr erlebt hat, vorstellen kann, wie es für einen Fan war.
Auch wenn es für die Spieler wichtig ist, Misserfolge abzuhaken und weiterzumachen, ist das für uns Fans nicht so einfach. Und manchmal hat man auch einfach nicht das Gefühl, dass sie es tun. Oder vielleicht doch können? Immer wieder die gleichen Fehler oder schlechten Pässe oder Weiteres zu sehen, ist nun mal einfach nicht so simpel wegzustecken. Vor allem, wenn es innerhalb von zwei Spielen fünf Gegentore hagelt, bei null eigenen Toren und kaum offensiver Gefahr.
Wir Jahnfans sind sowieso sehr gnädig und halten der Mannschaft lange die Stange. Und es gibt, Stand jetzt, auch keinen Grund, da irgendein Tischtuch zerschneiden zu müssen. Aber die Sorgen, die wir haben, und die Wünsche, die wir haben, sollten von den Akteuren auf und neben dem Spielfeld bitte ernsthaft vertreten werden. Mit einer engagierten Leistung können wir leben, mit sinkender Leistung nicht. Forza Jahnelf.




