Als ich mit diesem Beitrag beginne, schreiben wir den 15.06.2026. Zu diesem Zeitpunkt arbeitet die Abteilung Kaderplanung des SSV Jahn Regensburg um Alexander Schmalhofer bereits fleißig am neuen Kader für die Saison 2026/27.
Für viele wirkt diese Phase etwas strukturierter und ruhiger als in den Jahren zuvor. Der eine oder andere Verantwortliche würde dem allerdings widersprechen: Vom zeitlichen Ablauf her befinden wir uns ungefähr im gleichen Rahmen wie sonst auch.
Am Ende ist das aber auch egal. Vier neue Spieler sind da! Und eines kann man Alexander Schmalhofer schon jetzt zugutehalten: Die Transfers wirken sehr durchdacht und gut überlegt. Mit einem Torhüter wurde die vakanteste Position in Angriff genommen. Aber auch auf den Außenbahnen versuchte man, den schmerzlichen Abgang von Noel Eichinger zu kompensieren, und holte sich eine weitere Option für die Kaderbreite.
Klar wird aber langsam auch: Man muss sich bald von weiteren Spielern trennen. Wer das sein wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen. Haltet einfach Augen und Ohren offen oder lasst uns in den Kommentaren wissen, wen ihr für einen möglichen Abgang haltet.
Ich möchte nun gemeinsam mit euch einen Blick auf die Neuzugänge werfen. Dabei versuche ich, Material von FotMob, dem Kicker, YouTube und den üblichen Verdächtigen zu sichten und auszuwerten. Da wir nach wie vor kaum finanzielle Mittel zur Verfügung haben und unabhängig arbeiten, bitte ich um Verständnis, dass die Analysen nicht wie die Arbeit eines Profiscouts aufbereitet sind. Let’s go! (Fotos: SSV Jahn und Köglmeier)
Aus der Tiefe, aus dem Schacht – Erik Majetschak

Beginnen wir mit dem Spieler, der den Absteiger Erzgebirge Aue verlässt: Erik Majetschak, 26 Jahre jung und gebürtig aus Bad Lausick. Der defensive Mittelfeldspieler aus dem Landkreis Leipzig, der als Ersatz bzw. Alternative für Andreas Geipl gesehen werden kann, wandert in seiner Karriere Stück für Stück gen Süden.
Über seinen Jugendverein, den Bornaer SV, führte ihn sein Weg zunächst zu Lokomotive Leipzig, bevor er bei RB Leipzig die Jugend durchlief. Seine Zeit bei den Bullen endete 2019, als er weiter südlich nach Aue ins schöne Erzgebirge wechselte. Dort verbrachte er sieben Jahre seiner Fußballkarriere, bevor er Sachsen verließ, um noch weiter südlich bei uns im schönen Regensburg aufzuschlagen.
Für die Veilchen absolvierte er 133 Spiele und erzielte dabei sieben Tore. Nicht jedes Jahr eines – seine „Prime Season“ war die Spielzeit 2023/24, in der er drei Buden machte.
Er hat deutlich weniger Karten gesammelt als Andi Geipl (nur vier Gelbe) und kam in der vergangenen Saison auf insgesamt 28 Einsätze. Davon wurde er achtmal eingewechselt und siebenmal ausgewechselt. Wie bereits oben erwähnt, ist er im defensiven Mittelfeld zuhause und kann dementsprechend auch in der Abwehr eingesetzt werden.
Im Spiel gegen uns (in dem er traf – das bedeutet Strafrunden!) spielte er auf der Position der Doppelsechs. Generell rotiert er häufig zwischen den Positionen des Innenverteidigers und des Sechsers. In den Augen der Auer Trainer konnte er also beide Rollen bekleiden. Insofern könnte er sowohl Adrian Fein, der gesetzt sein dürfte, auf der Sechs unterstützen als auch Nick Seidel gegebenenfalls ersetzen, falls wieder ein zusätzlicher Innenverteidiger neben Strauß und Wurm benötigt wird.
Auffällig war jedoch, dass er trotz einer vermutlich eingesetzten Dreierkette (laut Kicker) zumeist eher auf der Sechs spielte. Daher tendiere ich auch dazu, dass wir ihn bei uns häufiger im defensiven Mittelfeld antreffen werden.
Ich habe versucht, ein bisschen auf YouTube nach ihm zu stöbern. Im Spiel gegen Schweinfurt versemmelte Erik sein Tackling und konnte somit das 0:1 für Schweinfurt nicht verhindern.
Allerdings habe ich auch einige Tore von ihm gesehen. Zwei davon erzielte er per Kopf, eines aus dem Lauf heraus. Bei Standards weiß Majetschak augenscheinlich, wo er stehen muss, und zieht die richtigen Schlüsse. Außerdem schaffte er es mehrmals, die richtigen Laufwege zu wählen, um bei hohen Bällen gefährlich zu werden. Er kann also ein Abnehmer für unsere Flanken, Ecken und Freistöße sein. Zumindest lässt sich darauf aufbauen.
Sein Profil auf FotMob habe ich mir ebenfalls angesehen. Dort wird er mit einem Gesamtrating von 6,7 geführt. Das ist nicht besonders gut, aber auch nicht brutal schlecht. Man darf natürlich nicht vergessen, dass er Teil einer Mannschaft war, die insgesamt keine gute Saison gespielt hat. Hier kann man durchaus den Vergleich ziehen, wie ein Noel Eichinger vielleicht in unserer Zweitligamannschaft performt hätte. Außerdem täuscht die Gesamtnote über einzelne Leistungen hinweg.
Sieht man sich nämlich die Balkendiagramme in seinem Profil an, fällt Folgendes auf: viel Grün, also einige Bereiche, in denen er im Vergleich zur dritten Liga gut bis sehr gut oder schlicht besser performt hat als andere Spieler. Seine Passquote beträgt starke 87,1 % bei 813 erfolgreichen Pässen.
Seine Zweikampfquote ist mit 58,8 % im Ligavergleich sehr gut, genauso wie seine Statistik bei Luftzweikämpfen (66,7 % gewonnen bei insgesamt 34 Duellen). Insgesamt zeigt er defensiv in vielen wichtigen Schlüsselkategorien wie defensiven Aktionen, Zweikämpfen, geblockten Schüssen, Klärungen und Spielen ohne Gegentor sehr gute Werte im Vergleich zur Konkurrenz.
Es gibt allerdings auch einige Werte, die maximal im oberen Durchschnitt liegen. Seine Dribbling-Werte sind sogar regelrecht katastrophal.
Alles in allem würde ich sagen, dass dieser Spieler eine Investition ist, bei der man ziemlich genau weiß, was man bekommt, und auf deren Stärken man in einem neuen Umfeld durchaus aufbauen kann. Dafür, dass er ablösefrei zu haben ist, finde ich ihn wirklich absolut in Ordnung.
Hannes Hermann – der Versuch auf der anderen Seite der Republik
Mit Felix Gebhardt hat uns unser Stammtorhüter verlassen. Auch Julian Pollersbeck verließ den Jahn, und Leon Wechsel empfahl sich wohl nicht für eine Weiterbeschäftigung. Also warteten alle gespannt darauf, wer sich als Nächstes in die Riege der Jahn-Torhüter einreihen würde. Wohlgemerkt: Seit Pentke ist das eine ziemlich erfolgreiche Riege.
Viele liebäugelten mit einem erfahrenen Torhüter, andere hätten lieber wieder ein junges Talent gesehen. Der Name Christian Ortag geisterte – aus welchen Gründen auch immer – durch die Kanäle. Sicherlich ist Ortag ein guter Keeper, aber gerade weil man ihn kennt, wird er vermutlich deutlich häufiger gefordert als der eine oder andere „No-Name“.
Mit Hannes Hermann haben wir nun unseren neuen Keeper gefunden. Und den kannten vermutlich die wenigsten.

An dieser Stelle möchte ich mein Unverständnis über die Kritik an der Leihe ausdrücken. Die validen Punkte von wegen „Man bildet ihn für den HSV aus und verdient daran nichts“ sehe ich durchaus auch. Aber im Gesamtkontext geht der Jahn ja ebenfalls nicht mit leeren Händen daraus hervor.
Sollte er einschlagen und wirklich unsere Nummer 1 werden – was aufgrund der Leihe definitiv so wirkt –, dann haben wir für ein Jahr gegebenenfalls einen richtig starken Torhüter. Und auch wenn man sich als SSV Jahn Regensburg nicht kleiner machen sollte, als man ist: Unser Name allein reicht oft nun mal nicht aus, um Talente dauerhaft an uns zu binden.
Außerdem glaube ich, wie man bei Felix Gebhardt auch gesehen hat, dass sich einige das immer zu einfach vorstellen. Denn hätte man ihn mit Gewinn verkaufen wollen, hätten wir auch einen Zwei- oder Drei-Jahres-Vertrag gebraucht. Gerade beim Zwei-Jahres-Vertrag wird das deutlich: Wir hätten ihn dann nach einem Jahr Entwicklung verkaufen müssen. Klar, wir hätten etwas Geld bekommen, aber wenn er nicht einschlägt, hätten wir auch eine belegte Kaderposition. Und wie bereits erwähnt: Vielleicht bekommen wir den Spieler überhaupt nur per Leihe, weil er sich nicht fest binden möchte.
Die Verantwortlichen wollten ihn auf jeden Fall, sonst hätten sie nicht so gehandelt. Daher würde ich schon darum bitten, nicht jetzt wieder alles negativ zu zerreden und die Entscheidung erst einmal wirken zu lassen.
Wie ich gerade gesehen habe, verlängerte Hermann seinen Vertrag beim HSV erst kürzlich bis 2029. Es spricht also einiges dafür, dass wir ihn ausbilden werden und dafür möglicherweise ein Torwarttalent für ein Jahr ohne größeres finanzielles Risiko nutzen können.
Wie ihr euch sicherlich denken könnt, gibt es auf dem freien Markt – damit meine ich frei zugängliche Daten – nur wenige Statistiken zur Regionalliga. Daher versuchen wir, uns grob einen Überblick über unseren 1,91 Meter großen Torhüter zu verschaffen. Sein starker Fuß ist übrigens der rechte.
In seiner Laufbahn stand er neben seinem Jugendverein SV Eichede ausschließlich beim HSV zwischen den Pfosten. Seit 2023 spielte er für den HSV II und absolvierte dort in den vergangenen beiden Spielzeiten 53 Partien.
In der vergangenen Saison kassierte die zweite Mannschaft des HSV insgesamt 50 Gegentore, in der Saison 2024/25 waren es noch 66. Das hätte in der Tabelle der jeweiligen Spielzeiten Rang 7 beziehungsweise Rang 6 bedeutet. Also Werte im oberen Mittelfeld. Natürlich darf man diese Zahlen nicht überbewerten, denn ein Torhüter ist nur selten allein für die Anzahl der Gegentore verantwortlich.
Laut dem Kicker hat Hannes, der in der Saison auf 24 Einsätze kam, achtmal eine weiße Weste behalten. Von den insgesamt 50 Gegentoren des HSV II kassierte er 36. Das ergibt einen Schnitt von etwa 1,5 Gegentoren pro Spiel. Zum Vergleich – auch wenn dieser nur bedingt passend ist – kam Gebhardt ebenfalls auf rund 1,5 Gegentore pro Partie.
Ich habe mich anschließend auf YouTube umgesehen. Als dritter Treffer erschien „Hermann als Elfmeterkiller“. Das ließ mein Herz direkt etwas höherschlagen. In eben jenem Video durfte ich auch ein bis zwei starke Reaktionen beobachten, darunter sogar einige mit dem Fuß. Den Elfmeter selbst konnte er ebenfalls mit dem Fuß abwehren.
Laut einem anderen Video scheint man vom Youngster durchaus überzeugt zu sein. Dort lassen sich ebenfalls einige seiner guten Reaktionen erkennen. Alles in allem ist das ein sehr spannender Transfer, und ich bin neugierig darauf, ihn im Jahn-Trikot zu sehen.




