Saisonabschluss – Es darf a bisserl mehr sein

Eine Saison mit Höhen und Tiefen fand mit dem verfehlten Elfmeter von Florian Dietz gegen Energie Cottbus seinen krönenden Abschluss. Eine Saison, die auch bei uns viel abverlangte. Ja, die letzte Zeit als Jahnfan war sicherlich nicht leicht und auch wir merken das als Teil eines FANblogs. Wir sind eben nicht bezahlte Mitarbeiter und gehen hier ganz normal unseren nine to five Job nach. Wenn wir etwas machen, dann mit der Überzeugung es auch gut machen zu wollen. Dies gelang uns nicht immer diese Saison, so ehrlich muss man sein. Ein kleiner Rückblick auf diese Saison von mir. (Foto: Niekoe)

Andi Patz sollte nicht den Weg in die dritte Liga mit uns antreten, was auch zu einen recht komischen Ende dieses Arbeitsverhältnisses führte. Kaum schien die Weiterbeschäftigung kein Thema mehr, schon konnte er nicht mehr an der Seitenlinie die restlichen Spiele der ablaufenden Abstiegssaison begleiten. Nun gut, machte es einen Unterschied ob jetzt Patz oder sonst wer da gestanden wäre? Wahrscheinlich nicht.

Es passte aber wieder in das Bild des Jahns unter Achim Beierlorzer, irgendwie hatte man doch für alles Zeit und dennoch wirkte man immer überrumpelt. Zeit für einen neuen Trainer, damit dieser sich doch schon mal mit den Begebenheiten befassen kann. Klingt doch nachvollziehbar, oder nicht? Es sollte aber bis wenige Tage vor dem Trainingsstart dauern bis der neue Cheftrainer präsentiert werden würde. Dann war er da, der neue Mann. Michael Wimmer. Ein Mann aus der Region, der doch schon als kleiner Bub sich mal vorstellen konnte diesen Verein zu trainieren. Es wirkte wie ein traumhaftes Match für den emotionalen Jahnfan.

Ein Emote mit ihm als neuer Heiland entstand dabei auch im Discord von 1889FM. Die Stimmung schien wenigstens ein bisschen wieder in ein positives Bild zu rutschen, doch die Kaderplanung machte so einigen Bauschmerzen. Neues System, diese Dreierkette und irgendwie alles auf Kante genäht. Neuzugänge passten manchmal auch gar nicht in das neue System. Fragen über Fragen und über allen stand ein Achim Beierlorzer, der auch uns oft nicht zufriedenstellen konnte.

Kaderprobleme, nicht gelöste Aufgaben und ein System was wohl noch gar nicht so zum Team passte begleitete die Jahnelf durch die erste Halbserie bis spät in den Oktober. „Intensiv“ wurde zum Unwort der Hinrunde teilweise. Tja, wären wir mal ein bisschen intensiver gewesen. Dann wäre der Auswärtsauftritt hier oder da bestimmt ganz anders gelaufen. Nicht, weil wir uns teilweise die Gegentore selber rein legen. Nein, nein. Wir müssen nur ein bisschen intensiver sein. Zynismus machte sich breit, auch bei uns. Nach emotionalen Leistungen wie gegen Ingolstadt folgte oft auch ein Schlag ins Gesicht wie gegen MSV Duisburg. 10 Minuten gespielt, ein Gegentor, rote Karte für den Kapitän und das Spiel war gelaufen. Na wunderbar.

Abstiegsplätze und keine Aussicht auf Besserung lies einen schon manchmal Ohnmächtig vor Wut vorkommen. Und dann war da dieser eine Funken, der plötzlich ins Team geriet. Die Entlassung vom Sportvorstand, das Unentschieden in letzter Minute gegen Mannheim. Das Team lebte plötzlich wieder! Befreites aufspielen ohne den mächtigen Aufseher darüber, so wirkte es zumindest. Es war der Startschuss für eine deutlich bessere zweite Hälfte in der Hinrunde und endete mit einen spektakulären 2:2 beim Aufstiegskandidaten Energie Cottbus.

Sportdirektor Alexander Schmalhofer übernahm die Zügel in der sportlichen Leitung unter Philipp Hausner und würde nun hoffentlich den Jahn beim Thema „Kader“ auch in Zukunft wieder mit etwas mehr Struktur aufbauen und auch strukturelle Probleme angehen. Wir hatten ihn zum Interview und auch schon erste Einblicke auf die Spielidee und Überzeugung des neuen Sportdirektors bekommen. Die Wintertransferphase unter Schmalhofer brachte auch schnell Abhilfe auf Positionen, wo es definitiv noch Nachholbedarf gab mit Hingerl, Possellt und Wechsel. Keine großen Würfe im Kader aber eben wichtige Bausteine, damit das Team nicht komplett blank stehen würde sobald wieder 1-2 Spieler ausfallen.

Ein mühseliger Rückrundenstart, wo dennoch die Pflichtaufgaben bewältigt wurden, riss aber schon auch merklich wieder die Euphorie aus der Hinrunde ein. Vielleicht kam die Winterpause auch einfach zum falschen Zeitpunkt und kühlte den neu aufkommenden Spielwitz in der Offensive zu stark ab. Hier kann man nur raten, ob sich nicht vielleicht doch schon im Hintergrund etwas anbahnte. Wimmer wirkte nach dem Sieg gegen Schweinfurt, der auch den Klassenerhalt so gut wie sicher machte, sichtlich fertig mit der Situation. Es war schon auffällig, dass der sonst so energetische Trainer in der Phase deutlich zu kämpfen hatte.

Und kaum war der Klassenerhalt eingetütet war er auch schon weg, der neue Heiland. Auf nach Kiel um Co-Trainer von Tim Walter zu werden. Die finalen Beweggründe sind auch hier nicht einsehbar. Vielleicht merkten Wimmer und Schmalhofer, dass es für die beiden keine Ehe auf Lebenszeit beim Verein werden würde. Vielleicht aber war Wimmer auch schon durch mit dem Jahn und sah doch keine Ambitionen für mehr, man kann hier nur raten.

Ich möchte hier nicht lügen, ich bin damals fest davon ausgegangen wir würden die Saison unter Mounier Raychouni zu Ende spielen und dann eben mal schauen was es so für Cheftrainer geben könnte. Aber Schmalhofer sollte hier mich und auch so einige Jahnfans lügen strafen und mit Sascha Hildmann den neuen Mann an der Seitenlinie präsentieren. Sogar mit weiteren Co-Trainer! Ein Novum, wenn man an die Personalpolitik des Jahns der letzten Jahre so zurückdachte.

Vor Hildmann sollten wir aber noch uns im Toto Pokal an den Löwen aus Giesing die Zähne ausbeißen. Chancenwucher! Ein Spiel, was einen nur sprachlos zurücklassen konnte. Nach dieser bitteren, vor allem sehr unnötigen, Niederlage übernahm aber Hildmann das Steuer und bewegte das Team nach und nach zu seiner Spielidee. Ein Highlight war hier natürlich noch der Auswärtssieg in Rostock, denen wir auch durch Viererpack von Hottmann die Aufstiegschancen so gut wie zunichte machten.

Nichtsdestotrotz wirkte die Luft raus in manchen Spielen, der Auftritt in Mannheim blieb da für mich am meißten hängen. Und dann war da noch der Abschluss gegen Cottbus. Ein gutes Spiel von uns, ein Spiel was eigentlich nicht verloren werden darf und doch schlagen wir uns am Ende wieder selber. Der oft gescholtene Dietz versemmelte noch kläglich den Elfmeter kurz vor Abpfiff, unseren Spielverderber Moment hatten wir eben schon gegen Rostock aufgebraucht. So wirkte es zumindest.

Ein WM-Sommer erwartet uns und wird dementsprechend auch die Pause vor Jahnfußball ein wenig verlängern. Ich bin durchaus auch froh, dass ich jetzt erst mal wieder ein bisschen Abstand nehmen kann. Der Jahn ist mein Verein aber ich habe schon auch gemerkt, dass diese intensive Beziehung von Hobbyjournalist und Fan doch auch sehr kräftezehrend sein kann.

Wir bedanken uns hier an der Stelle für all eure Zeit die ihr genutzt habt um unsere Artikel zu lesen, für euer Feedback über alle möglichen Kanäle und auch die Gastbeiträge. Ab dem Start in die neue Vorbereitung werden wir auch wieder für euch da sein und wieder mit voller Kraft und Elan über unseren SSV berichten!