„Möchten sportlich erfolgreicher werden“: Interview mit Alex Schmalhofer – Teil I

Vor einiger Zeit schon haben wir unseren seit November amtierenden Sportdirektor Alexander Schmalhofer getroffen. Er gab uns Auskunft über seine ersten Monate beim Jahn, seine bisherige Karriere und seine Kriterien bei der Kaderplanung. (Foto: Köglmeier)

Vor einigen Wochen haben Flo und Tom sich mit dem neuen Sportchef des SSV Jahn Regensburg getroffen. Der Zeitpunkt war kurz vor der Vorstellung von Sascha Hildmann. In einem zweiteiligen Interview haben wir ihn diverses gefragt. Wie war seine Ankunft? Wer ist er als Person? Was möchte er im Scouting ändern? Wofür möchte er stehen? Was sind seine Ansätze. Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen. (Foto: Köglmeier)

Willkommen beim ersten Interview mit dem Jahnblog! Du bist nun schon seit November in Amt und Würden, würdest du behaupten, die Umstände haben deinen Vorstellungen bisher entsprochen?

Schmalhofer: Ich bin ehrlich gesagt mit wenig Vorstellungen angetreten, um möglichst unvoreingenommen die Tätigkeit hier anzutreten. Ich wollte mir erst einmal ein Bild vom Umfeld samt den Menschen machen, den Abläufen und Prozessen und auch der bestehenden Struktur und den Inhalten. Gerade ein Fußballverein lebt von den Menschen, die ihn tragen. Über die Infrastruktur war ich aber schon im Bilde, weil wir hier in Regensburg schon tolle Möglichkeiten haben. Sowohl das Stadion, aber auch die Trainingsmöglichkeiten am Kaulbachweg sind absolut Zweitliga-Niveau.

Gibt es noch abseits der Infrastruktur etwas, das dir sehr gefallen hat?

Die Stadt hat schon auch ein besonderes Flair, und als Bayer kann ich mich mit der Kultur einfach auch total identifizieren. Deswegen durfte ich auch gleich beim Sponsoren-Schafkopfturnier mitspielen. Viele Personen sind auch schon lange im Club und investieren tagtäglich sehr viel Herzblut in den Verein. Und auch unsere Fans unterstützen uns richtig gut und haben ein gutes Gespür für die Mannschaft. Die Hans Jakob Tribüne ist auch von Spiel zu Spiel immer voll – egal unter welchen Umständen und das finde ich besonders.

Wie viel hast du schon bewegen können, hast du schon Prozesse anstoßen können?

Die ersten Monate waren schon sehr vom intensiven Kennenlernen der Menschen, Abläufe und Inhalte geprägt und natürlich auch von der sportlichen Situation. Daher drehten sich viele meiner ersten Themen um das kurzfristige Fußball-Tagesgeschäft. Trotzdem haben wir in den letzten Monaten bereits verschiedene strategische Themen angeschoben. Mit Christian Martin aus der Jahnschmiede haben wir uns recht frühzeitig dem Thema Jahn Spielphilosophie gewidmet, weil hier schon sehr gute Vorarbeit geleistet wurde und das für mich auch strategisch die Basis darstellt. Auch mit dem Übergangsbereich haben wir uns beispielsweise bereits intensiv auseinandergesetzt und wollen unserer U21 einen noch höheren Stellenwert geben, um die Verzahnung und den Übergang von Jahnschmiede zu den Profis noch besser zu gestalten. Und auch im Scouting sind wir bereits dabei, unsere Strukturen zu optimieren und auch noch mehr auf den Bereich Daten und Technologie zu setzen. Allerdings werden einige Dinge einfach auch Zeit brauchen, bis sie zum Greifen kommen können.

Gehen wir auch mal auf dich persönlich ein, wie würdest du dich selbst beschreiben?

Ich würde mich eigentlich als recht ruhige Person beschreiben, der es wichtig ist, dass wir einen sehr respektvollen Umgang untereinander haben. Mir ist eine offene Kommunikation sehr wichtig, weil das Vertrauen aufbaut. Ich bin aber trotz einer analytischen Herangehensweise auch recht emotional – speziell bei Spielen – und finde es auch sehr wichtig, dass wir eine gute Kultur und ein gutes Gefühl miteinander haben.

Hast du auch selbst Fußball gespielt?

Als gebürtiger Münchner habe ich einige Jahre im NLZ von 1860 München verbracht und habe im Seniorenbereich im höheren Amateurbereich gespielt. Hier konnte ich dann unter anderem auch einige Zeit beim TSV Buchbach in der Regionalliga spielen.

Ab wann wurde vielleicht schon klar, dass es nicht die große Bundesligakarriere wird und auch Zeit wird, sich anderweitig zu orientieren?

Ab dem Moment, wo ich das NLZ verlassen habe, hatte es sich natürlich schon angedeutet. Auch im Herrenbereich war es nicht unbedingt so, dass ich noch von einer Bundesligakarriere geträumt habe, aber mir haben die Stationen im NLZ und später in der Bayern- und Regionalliga sehr viel Spaß gemacht und ich denke, dass ich mit dieser Spielerlaufbahn trotzdem auch viel mitbekommen habe, wie eine Kabine funktioniert. Parallel hatte ich ein Sportwissenschaftsstudium angefangen und mich für eine Möglichkeit vorbereitet, im Profifußball Fuß zu fassen. Ich wollte meine Leidenschaft und mein Hobby immer zum Beruf machen und dann hat sich damals die Möglichkeit aufgetan, bei Unterhaching als Co-Trainer und Chefanalytiker einzusteigen. 

Hast du noch abseits vom Fußball einen anderen Sport, dem du nachgehst?

Ich jogge regelmäßig und spiele auch noch sehr gerne Tennis, hier hoffe ich auch mal auf eine Runde mit Poldi Wurm. (lacht)

Habt ihr euch schon ein Ziel für die kommende Saison gesteckt? Was man als Jahn anpacken will?

Wir möchten sportlich erfolgreicher werden. Somit ist das Ziel natürlich schon, eine bessere Saison zu spielen als diese. Wir sind sehr ambitioniert, aber im Moment möchte ich nicht auf konkrete Ziele eingehen. Trotzdem wollen wir unseren Fußball und unsere Mannschaft weiterentwickeln und gemeinsam den nächsten Schritt gehen. Parallel dazu ist es für mich aber auch das Ziel, die strategischen Themen, die wir bereits besprochen haben, kontinuierlich in die Umsetzung zu bringen. Das soll dem Verein auch langfristig helfen.

Ist dir anhand der Phase, die der Verein hinter sich hat (Trainerwechsel, schlechtes Zweitligajahr etc.), bewusst, wie wichtig deine Rolle sein könnte? Sogar mehr, als je ein Trainer haben könnte? Die Visionen, um den Klub zu formen, müssen ja jetzt kommen und ausgeführt werden.

Das ist mir durchaus bewusst. Ich kann nur sagen, dass ich sehr viel Zeit und Energie investiere, damit wir insgesamt wieder in eine stabilere Phase kommen und langfristig gesehen mehr sportliche Erfolge erzielen können. Dazu ist es natürlich wichtig, eine entsprechende Vision zu haben und die haben wir auch im gesamten Verein. Die Herausforderung liegt aber eher in der Umsetzung der Vision und der Strategie. Ich denke, es ist die Kunst, eine klare Idee auf dem Papier zu haben, diese dann aber auch wirklich mit Leben zu füllen. Da ist der ganze Verein gefordert. 

Gibt es Gedanken über Kooperationen? Der FC Bayern wäre hier ein Thema aufgrund der räumlichen Nähe.

Das sind Gedanken, die man sich machen kann, aber es muss auch zu unserer Strategie passen. Wir möchten unserem Weg treu bleiben, deswegen sind solche Kooperationen im Detail zu betrachten. Unter gewissen Voraussetzungen können durch Kooperationen für den Jahn aber gewinnbringende Synergien entstehen.

Kommen wir nun zum Thema Verträge und Spieler generell. Kannst du da einen Stand vermelden?

Nein, von mir wird es diesbezüglich im Moment keine Wasserstandsmeldungen geben. Wir setzen uns intensiv auseinander und wollen für die nächste Saison eine gute Achse bilden. Sobald es Dinge zu vermelden gibt, machen wir das natürlich.

Manch ein Fan beklagt, dass der Verein oft das Heft des Handelns nicht in der Hand hat bei gewissen Situationen. Kannst du das nachvollziehen?

Ja, das kann ich. Man versucht immer, das Heft des Handelns in der Hand zu haben, aber das ist nicht immer möglich. Zu einer Einigung gehören ja immer auch mindestens zwei Parteien mit entsprechenden Interessen. Und das Heft des Handelns geht ja zumeist über die Vertragslaufzeit. Und für den Verein kann eine lange Laufzeit Chance und Risiko sein. Chance, weil man bei einer Überperformance auch mal eine Ablöse erzielen kann oder einen Spieler nicht abgeben muss. Risiko, weil man bei einer Unterperformance vielleicht eine Veränderung anstrebt, die man dann aber nicht oder nur schwer umsetzen kann. In Summe ist das Thema Kaderplanung ein komplexer Prozess und immer auch im Einzelfall zu betrachten.

Man hört auch immer öfter, dass das Modell der Leihen ausläuft und wir mehr auf das Modell der Verkäufe mit Rückkaufoption in Zukunft sehen werden. Findest du das realistisch?

Beide Modelle haben Vor- und Nachteile beziehungsweise es müssen gewisse Voraussetzungen gegeben sein, um sie umsetzen zu können. Ein Verkauf mit Rückkaufoption wird auch gerne eingesetzt, wenn eine klassische Leihe aufgrund der Vertragslaufzeit des Spielers nicht mehr möglich ist. Von daher werden wir in Zukunft beide Modelle weiterhin sehen.

Inwiefern ist „Identifikation mit dem Verein“ noch eine Möglichkeit, den Spieler bei Vertragsgesprächen zu überzeugen? Oder ist das, so traurig wie das klingen mag, dem Spieler von heute egal?

Das ist individuell und kommt sehr auf den Spieler an. Wir achten bei der Rekrutierung schon sehr darauf, dass eine Identifikation mit dem Verein, unserer Fußballidee und der Region besteht. Gleichzeitig können wir mit dem Standort, dem Club, unserer Infrastruktur und mit der Stadt auch punkten.

Es ist uns aufgefallen, dass sich seit dem Abgang von Christian Keller die Vertragslaufzeit von Spielern eher auf zwei Jahre reduziert hat, vorher waren auch mal drei Jahre üblich. Haben sich da die Gestaltungsmöglichkeiten geändert?

Wie oben beschrieben, bedeuten drei Jahre immer Chance und Risiko gleichzeitig. Funktioniert es mit einem Spieler doch nicht so wie gewünscht, ist der Kaderplatz dann auch drei Jahre besetzt. Wenn der Verein und der Spieler aber überzeugt sind, kann man natürlich auch drei Jahre vereinbaren. Gerne wird aber auch mit einem zusätzlichen Optionsjahr bei Eintreten gewisser Voraussetzungen gearbeitet. 

Manch einer würde sich eine „härtere“ Linie in manchen Vertragssituationen wünschen, zum Beispiel auf die Tribüne mit jemandem, wenn er seinen Vertrag nicht verlängern will. Wie sieht deine Art von Menschenführung aus?

Ich bin ein sehr kommunikativer Mensch und agiere immer auf Augenhöhe mit meinem Gegenüber. Ich finde Klarheit und Transparenz sehr wichtig und möchte gegenseitiges Vertrauen aufbauen. Vertrauen entwickelt sich häufig durch eine gute Kommunikation. Gleichzeitig habe ich aber auch einen sehr hohen Qualitätsanspruch an mein Team. Und ganz wichtig ist es auch, zusammen Spaß zu haben.

Teil 2 folgt nächste Woche