Das Personal
Chefcoach Michael Wimmer veränderte gegenüber dem 3:0-Heimsieg letzte Woche nichts an der Startelf. Neuzugang Florian Dietz nahm gleich mal Platz auf der Bank und stellte somit eine Option für den späteren Spielverlauf dar.
Der Spielfilm
Halbzeit 1 – Kölner Chancenfest
Die Heimmannschaft nahm schnell das Heft des Handelns in die Hand und beanspruchte wie gewohnt einen Großteil des Ballbesitzes für sich. Kleine Fouls der Jahnelf sollten Abhilfe leisten, um das Tempo der Kölner erst gar nicht groß aufkommen zu lassen. Das zeigte aber keine Wirkung. In Minute sechs hatte der Kölner Tonye schon die erste größere Chance für die Kölner, scheiterte aber an Felix Gebhardt.
Der ehemalige Regensburger Otto sollte nach elf Minuten seinen Meister im Querbalken des Tores finden, nachdem dieser relativ einfach rechts im Strafraum zum Schuss kam. Die Anfangsphase ging somit klar an die Hausherren. Ersatzkapitän Strauss musste mit einer „Monstergrätsche“ vor einen einschussbereiten Kölner retten. Ein Tor für die Kölner war fast nur noch eine Frage der Zeit. Aufwachen!
Schiedsrichter Assad Nouhoum hatte mächtig viel zu tun mit vier gelben Karten nach 25 Minuten, ein ruppiges Spiel auf beiden Seiten mit vielen Fouls. Das sollte nach und nach auch den Spielfluss zerstören und das Kölner Chancenfest einstellen. Eine mehr und mehr zerfahrene Partie entstand. In Minute 40 fiel dann das überfällige Tor für die Hausherren. Nach Ecke scheiterte erst Dietz am Pfosten, Kloss schob dann per Nachschuss ein. Der kaum zu stoppende Tonye scheiterte noch am Pfosten, bis der Unparteiische endlich zum Pausentee pfiff.
Halbzeit 2 – Neustart
Nach diesem doch sehr schwachen Auftritt in Halbzeit eins reagierte Michael Wimmer erst mal nicht und gab der Startelf die Chance auf einen besseren Auswärtsauftritt. Mit deutlich mehr Ballbesitz sollte die Jahnelf die zweite Hälfte beginnen, auch in den Zweikämpfen besseren Zugang finden. Chancen taten sich allerdings nicht auf, so ehrlich muss man schon sein.
Mit dem Zünden der Pyrotechnik kam endlich das Feuer im Spiel des Jahn auf: In Minute 60 zwang Bauer per Fernschuss Dudu zu einer schönen Flugeinlage! Man merkte, dass auch die Wechsel etwas in der Mannschaft weckten. Nick Seidel sollte in Minute 62 sein Glück per Fernschuss suchen und am Pfosten scheitern. Knapp!
Nach dieser kleinen Druckwelle fehlte es aber auch wieder erst mal an klaren Toraktionen, auch die Kölner fanden in Halbzeit zwei keinen wirklich Weg in den Strafraum. Spielerisch fand der Jahn deutlich besser statt, was dann auch in eine letzte große Schlussoffensive ab Minute 85 mündete. Flanke über Flanke flog in den Strafraum der Kölner, aber ein Abnehmer fand sich nicht. Es sollte nicht sein, dass noch der Treffer zum Unentschieden fällt.
So ging dann die Partie mit 1:0 für die Viktoria zu Ende, aufgrund der ersten Halbzeit auch mehr als verdient.
Analyse
Nach einer erfreulichen zweiten Halbzeit gegen Schweinfurt sollte also heute wieder eine sehr dürftige erste Halbzeit in Köln folgen. Enttäuschend wäre hier noch mit einer der nettesten Begriffe, die der gemeine Jahnfan für solch eine Performance über hat.
Die Gründe dafür gleichen wieder einem Mysterium. Klar war der Gegner aus Schweinfurt ein klarer Abstiegskandidat und nicht die endgültige Messlatte für diese Liga. Warum aber so ein Sieg dann im Team absolut nichts weckt und keinerlei Selbstverständlichkeit rein bringt, muss analysiert werden. So funktioniert der Fußball des Jahn nicht, egal ob gegen Schweinfurt oder Köln.
Die Stimmen zum Spiel
Nicolas Oliveira:
Mit der ersten Halbzeit können wir nicht zufrieden sein. Wir standen relativ hoch, hatten aber wenig Druck auf den Ball. Dadurch konnten sie immer wieder den Ball hinter die Kette spielen. Als wir es zwischendurch angepasst haben, lief es besser.
In der zweiten Halbzeit haben wir spätestens nach zehn Minuten Druck gemacht und uns Chancen erarbeitet. Wir hatten Situationen, wo wir uns auf der einen Seite festspielen und dann gut verlagern. Aus der zweiten Hälfte können wir einiges mitnehmen. Am Ende wollten wir das Tor erzwingen, aber manchmal ist das Glück nicht auf deiner Seite.
Felix Strauss:
Wir verschlafen die erste Halbzeit komplett. Wir haben uns wenig zugetraut und Viktoria Köln hat es mit Ball sehr gut gemacht, so dass wir keinen Zugriff hatten. In der Halbzeit haben wir uns vorgenommen, vorne drauf zu gehen und rauszuschieben. Das ist uns gelungen, wir kommen super aus der Pause und fast wäre uns der Ausgleich wie in Ingolstadt gelungen. Das nächste Mal müssen wir einfach von Anfang an so spielen wie in der zweiten Halbzeit. Mir macht Mut, dass wir besser aus der Kabine gekommen und nicht zusammengebrochen sind.
Cheftrainer Michi Wimmer:
Wie gehts dir nach dem Spiel?
Ich bin enttäuscht von der ersten Halbzeit. Das war ein Rückschritt. Wir waren nicht aggressiv genug und sind nicht in die Zweikämpfe gekommen. Und gar nichts bei eigenem Ballbesitz machen, das geht nicht. Das Beste daran war, dass es nur 1:0 stand. Dann passt man ein, zwei Sachen an, wird ein bisschen lauter in der Halbzeit und plötzlich dreht sich das Ganze wieder und wir spielen, wie wir spielen wollten. Schade, dass wir uns nicht mehr belohnt haben. Aber im Endeffekt war es nicht unverdient.
Warum hast du in der Halbzeit nicht gewechselt?
Ich wollte die Anpassungen abwarten. Es waren ja nur zwei taktische Sachen und die haben funktioniert. Die Wechsel, die wir dann gemacht haben, hatte ich aber vorher schon im Kopf. Adrian Fein gibt uns spielerische Qualität, die Spielzeit war wichtig für ihn. Nach der Länderspielpause sollte er weit genug sein für 90 Minuten. Auch bei Flo Dietz hat man schon seine Präsenz gesehen. Er hatte jetzt 25 Minuten, da muss man langsam anpassen.
Was war das Ziel mit deinen späteren Wechseln?
Wir wollten mehr Ruhe in Ballbesitz reinbekommen, um mehr Torchancen zu kreieren. Das ist uns nicht komplett gelungen, auch wenn wir in gute Schusspositionen gekommen sind. Wir wollten mit vier Leuten aufbauen, nicht mehr zu dritt. Auch das ist uns besser gelungen. Auch ob es hinten immer eine Dreierkette sein muss, kann man überdenken. Es muss zum Spiel passen.
Was nimmst du aus dem Spiel mit?
Komisch ist, dass wir gegen Köln und Schweinfurt zwei gute Spiele machen und dann kommt wieder so eine erste Halbzeit. Wir brauchen Konstanz und müssen lernen, dass es mit weniger als 100 Prozent nicht funktionieren wird. Du musst von Anfang an da sein und 90 Minuten deinen Fußball spielen.
Welche Konsequenzen ziehst du?
Wir wollten eigentlich erst am Dienstag wieder ins Training einsteigen. Das machen wir nicht, sondern fangen am Montag wieder an. Wir müssen die Zügel nochmal anziehen – wohl wissend, dass wir am Freitag Ansbach haben, wo wir weiterkommen wollen und müssen. Dann liegt es am Team, ob wir nach Ansbach zwei freie Tage haben oder am Samstag trainieren.
(Stimmen: Tom/Flo1889fm)