Kaderplanspiele: Wer geht, wer bleibt?

Gut 1 Jahr ist es her, da hat unser Blog-Team seine Glaskugel angeworfen und versucht vorauszusehen, welche der unendlich vielen auslaufenden Spielerverträge verlängert werden und welche Spieler uns erhalten bleiben. Und weil uns das so viel Spaß gemacht hat, machen wir das ganze doch gleich nochmal! (Hoffentlich mit mehr Erfolg) (Mitarbeit: Joe; Datenbox: Maximilian Aichinger; Foto: Sebastian Widmann/Getty Images for DFB)

„Glaskugel statt Fußball“
, so war der Titel vor gut einem Jahr: Was darauf folgte, ist ein Artikel, den ich heute mit einem Lächeln lese, der mir aber irgendwie auch sehr unangenehm ist. Nicht weil er schlecht gemacht war, im Gegenteil für den Aufwand war er sehr gut. Er ist mir eher unangenehm, weil ich mir zum damaligen Zeitpunkt nicht vorstellen konnte, wo ich über 1 Jahr später sitze und wie sehr ich mich teilweise geirrt habe. 19 Verträge liefen damals aus und erhalten geblieben sind uns nur eine Handvoll davon: Oscar Schönfelder, Christian Schmidt, Alexander Weidinger und Konrad Faber.
Umso entspannter ist es dieses Jahr. Da Achim Beierlorzer wohl nach dem Motto #rebuild 2025 lebt, laufen dieses Jahr nur unglaubliche 5 Verträge aus. Aber auch wenn es dieses Mal nur eine kleine Menge an Spielern ist, stellen sich trotzdem die altbekannten Fragen: Wie geht man damit um? Wer kann/soll bleiben? Wer soll gehen? Bei wem würde es wehtun, bei wem vielleicht nicht so sehr?
Das möchten wir auch wie letztes Jahr wieder diskutieren. Am besten natürlich mit euch. Ihr bekommt zuerst unsere Meinung zu der Thematik und danach werden wir euch wieder per Umfrage ins Boot holen. Wir listen wieder die Spieler mit den auslaufenden Verträgen auf und geben einen Kommentar dazu ab. Viel Spaß beim Lesen!

Bereits verlängert – unsere Meinung

Bene Saller

Tom: Diese Verlängerung ist wichtig und richtig. Bereits in der Zeit während wir diesen Beitrag vorbereitet haben, kam die Meldung, dass sich Benedikt Saller entschieden hat, bis 2026 Teil der Jahnfamilie zu sein. Natürlich wäre mir 2027 lieber gewesen, jedoch muss man auch sein Alter beachten.
Dass er verlängert, ist aber wie bereits erwähnt wichtig und richtig: Kein Spieler im aktuellen Kader ist länger dabei als Saller, neben Andi Geipl weiß er als einer, der wenigen woher der Jahn kommt und seine Leistung auf dem Platz ist fast ausschließlich auf einem guten Niveau. Mit seiner Erfahrung und als Vizekapitän kann er auch neuen Spielern helfen sich zurechtzufinden. Außerdem muss man auch mal anmerken, dass ein Jahnkader ohne einen Saller irgendwie komisch ist mittlerweile. Ich freue mich sehr über diese Verlängerung!

Joe: Der Mix im Kader und die bessere Fitness der Jahnelf hat in der Liga bisher den Unterschied gemacht. Umso wichtiger, dass auch das Teamgefüge durch Führungsspieler wie Bene Saller nun auch bis 2026 zusammengehalten wird. Mit großer Freude hatten wohl viele Fans die Entscheidung des gebürtigen Münchners begrüßt, im Verein als Legende verewigt zu werden. Aufgrund dieser recht langen Verlängerung, in Bezug auf sein Alter, kann davon ausgegangen werden, dass er wohl vorhat, seine Karriere bei uns im Verein zu beenden.

Joe Enochs

Tom: Ich habe dazu nur eine Sache zu sagen: Auch wenn ich den Abgang von Mersad immer noch blöd finde, bin ich sehr glücklich, dass Joe Enochs unser Cheftrainer ist und bin ihm und seinem Team sehr dankbar. Er war ein Glücksgriff.

Joe: Anfangs wohl als schnelle Notlösung von Aufsichtsratschef Rothammer als Trainer eingesetzt, hat sich Joe Enochs als wahrer Glücksgriff für den Jahn herausgestellt. Harmonie in der Geschäftsstelle, das Formen einer spielfreudige und eingespielte Mannschaft, gutes Zusammenwirken mit dem Sportdirektor … was will man mehr als Jahnfan? Dass Joe sich hier wohlfühlt, spürt man regelmäßig in Videobeiträgen auf dem Youtube-Kanal des SSV. Deswegen freut man sich natürlich über eine nicht selbstverständliche Vertragsverlängerung des Übungsleiters.

Auslaufende Verträge – wie würden wir an die Sache rangehen?

Konrad Faber

(Foto: Sebastian Widmann/Getty Images for DFB via Onefootball)

Tom: Meiner Meinung nach könnte Konrad Faber auf lange Sicht der 1 zu 1 Bene-Saller-Nachfolger sein. Eigentlich ist er es ja schon, aber Bene ist ja noch hier. Für die 3. Liga ist er ein unglaublich starker Spieler, allein aufgrund seiner Schnelligkeit. Jedoch gibt es auch andere Attribute, die er mitbringt und die zum Jahn passen wie die Faust aufs Auge. Eines dieser Attribute ist sein Kampfgeist, welches von der Philosophie des Vereins gefordert wird. Mit diesem hat er sich auch in die Herzen der Fans gespielt. Aber auch mit seinem offenen, lustigen und fröhlichen Charakter tut er allen in seinem Umfeld unglaublich gut. Und er profitiert meiner Meinung nach auch von dem Umfeld des SSV Jahn. Sollten wir die direkte Rückkehr ins Unterhaus schaffen, gibt es wenig Gründe, die gegen seinen Verbleib sprechen. Anstelle der Verantwortlichen würde ich jedoch versuchen, ihn bis mindestens 2027 zu binden.

Joe: Als Wunschkandidat würde man wahrscheinlich sofort Konni Faber nennen. Faber überzeugte schon in der zweiten Liga als Rechtsverteidiger mit intensiven Tempoläufen, meist über fast das ganze Spielfeld. Speziell die darauffolgenden Flanken ins Halbfeld konnte er zuletzt merklich verbessern, was sich schon in vier Vorlagen widerspiegelt. Als absoluter Sympathieträger und Spaßvogel innerhalb und außerhalb der Mannschaft kann er definitiv nicht nur fußballerisch überzeugen. Schon lang ist er festgesetzter Stammspieler und ist wohl schon bei einigen Zweitligisten auf dem Transfer-Zettel, trotzdem würde mir eine Verlängerung tagelang ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Christian Viet

Tom: Auch wenn Viet in fast jedem Social-Media-Post vertreten ist, so ist er doch sehr still und unauffällig. Und genau so hat er sich in die Stammelf gespielt. Ohne großes Getöse oder spektakuläre Szenen, abgesehen von seinen Fernschusstoren, macht er seinen Job. Nicht immer perfekt oder gut, aber immer solide und ausreichend. Mit ihm haben wir eine wichtige Säule auf der 10 bzw. im Mittelfeld, welche auch ein Allroundtalent ist. Des Weiteren scheint er, vor allem in Kombination mit Konrad Faber, dem Mannschaftsgefüge gutzutun. Da er auch eine wichtige Rolle im Spiel unseres Jahn einnimmt, würde ich hier ebenfalls mindestens eine Verlängerung bis 2027 anstreben.

Joe: Christian Viet ist wohl eine, wenn nicht die Schlüsselposition im Offensivspiel der Jahnelf. Dass er sich lieber offensiver als auf der 6er-Position eingesetzt haben will, hat man wohl auch schon letzte Saison merken können. Dort nämlich bereichert er das Spiel nach vorne durch kreative Verlagerungen und Ideen, um zum Torerfolg zu gelangen. Bei ihm könnte ich mir recht gut vorstellen, dass er den Jahn bald verlässt, das sagt mir irgendwie mein Gefühl. Vielleicht ist es das Auftreten nach außen, das kann ich nicht genau sagen. Auch seine Leistungen haben wohl schon höherklassige Clubs auf den Plan gerufen, ein Auslaufen des Vertrags würde mich also nicht wundern.

Louis Breunig

Tom: Man könnte bei Breunig nun viel schreiben. Aber man kann es auch kurz ausdrücken: Für sein Alter eine solche Saison zu spielen ist grandios. Man hatte vermutlich nicht damit gerechnet, dass er so einschlägt. Dabei ist er ja offiziell ein Leihspieler, jedoch besitzt der Jahn eine Kaufoption. Tatsächlich möchte ich gar nicht so weit ausholen, da ich selbst gar nicht richtig fassen kann, was für ein Brett dieser Junge eigentlich abgeliefert hat. So bleibt mir eigentlich nur zu sagen: Kaufoption (die ja angeblich erschwinglich sein soll) ziehen und mit Vertrag bis 2028 ausstatten.

Joe: Die Kaufoption bei Louis Breunig muss gezogen werden, kein wenn und aber. Dass der erst zwanzigjährige Breunig eine nicht mehr wegzudenkende Säule in der Innenverteidigung wird, hätte vor der Saison wohl kaum jemand gedacht, wohl auch weil der Leihvertrag mit dem „Glubb“ des 1,90 Meter großen Spielers eine Verkaufsklausel beinhaltet.

Jannik Graf

Tom: Jannik Graf, oh Jannik Graf. Was kann man zu dir schreiben? Restlos überzeugt hat er mich mit seiner Leistung nicht und das große „oooh krass wie er drauf ist“ gab es bisher auch noch nicht. Da überzeugte z. B. ein Jonas Bauer oder ein Leopold Wurm doch mehr. Aber man darf seine Leistung, die durchaus solide war, nicht unbedingt schmälern. Außerdem ist Jannik, was man so vom Kaulbachweg hört, ein absoluter Kämpfer, Teamplayer und gibt immer 101 %. Aber reichen diese 101 % für mehr als kurze Einsätze in der dritten Liga?
Wie viele andere fände ich es sehr schade, wenn er einfach so gehen würde. Vielleicht ergibt sich eine Leihe? Man sollte ihn ggf. bis 2026 an sich binden, um final zu schauen, wohin die Reise geht. Als Rotationsspieler ist er auf jeden Fall eine solide Wahl.

Joe: Ebenso darf das Eigengewächs Jannik Graf wohl gern noch weiterhin Teil der Mannschaft bleiben, auch wenn man vermuten kann, dass er sich nach einer anderen Herausforderung im Profifußball umsehen könnte. Er kann bisher erst auf einige Kurzeinsätze zurückschauen, mehrere Tore in der Bayernliga für die zweite Mannschaft machen allerdings Hoffnung auf zukünftig mehr Einsätze.

Wen würdet ihr verlängern? Stimmt ab!

Die Datenbox – was sagt die Statistik?

Vorweg: Daten sind ein Richtwert, sie helfen Vereine bei der täglichen Arbeit, im Scouting und in der Analyse, aber sie sind kein Gesetz.1 Nie werden Daten allein entscheiden, ob jemand bleiben kann oder gehen muss, am Ende kann es aber eine Richtung vorgeben und Lösungsansätze aufzeigen. Wir wollen euch auch ein wenig Daten an die Hand geben, damit ihr euch eine Meinung bilden könnt. Danke an Wyscout und Ben Griffis für die Bereitstellung der Daten! (Jannik Graf erhält keine Datenbeurteilung, da er weniger als 400 Minuten absolvierte; Beurteilung bezieht sich auf die Positionsgruppen)

Legende: blau – Elite, grün – über dem Durchschnitt, gelb – im Durchschnitt, rot – unter dem Durchschnitt (sichtbar in den Charts, aber auch detallierter in der Bezeichnung)

Chrille ist jemand, der vom Abstieg gewissermaßen profitierte, auf der 10 durchbricht er immer wieder die gegnerischen Ketten, das kann er auch, weil der Jahn in der 3. Liga mehr Raumvorteile besitzt. In der 2. Bundesliga hatte er oft Probleme, wenn er im Umschaltspiel agieren musste, vielmehr fühlt er sich wohl, sobald er nicht gegen verschiebende Ketten aufspielt. Dieser Faktor spielt sich auch in der Statistik wider, so hat er überdurchschnittlich viele Berührungen in der Box (2,1) und ist jemand, der oft den letzten Pass spielt (1,25 Pässe zum Spieler, der abschließt), aber auch Torgefahr mitbringt, mit 0,19 erwartenden Toren pro Spiel. Gerade im Bereich der „smart pass“ 2 ist er im Bereich über dem Durchschnitt unter den zentralen Mittelfeldspielern, so besitzt er in diesem Bereich eine Quote von 57 %. Diese Pässe sind jene, welche die gegnerische Kette brechen und so der Passempfänger hinter die Abwehrreihe gelangt, hier ist Viet absolute Klasse, nur Shootingstar Casper Jander toppt Viet noch quantitativ sowie qualitativ. Nur im Defensivbereich hat Viet Schwächen, so kann er nur wenig Ballgewinne („Carries“) verzeichnen und auch nur jedes zweite Dribbling ist erfolgreich (siehe oben). Technisch überragend, aber gegen den Ball ausbaufähig – seine Schwächen im Umschaltspiel hindern ihm teils an der Präsenz im Spiel, da muss Viet noch zulegen, damit er auch in höhere Regale greifen kann, denn er wird nicht immer in einer Mannschaft spielen, die so dominant auftritt.

Louis Breunig ist wohl eine der Überraschungen der Saison, das unterstreichen auch die Statistiken. So zeigt sich ein eindeutiges Bild: Breunig hat mit am meisten Schüsse geblockt und am meisten Zweikämpfe prozentual gewonnen, dazu gewinnt er 50 % der Luftzweikämpfe, was in dieser Liga für einen 20-Jährigen sehr beachtlich ist. Im Spielaufbau zeigt er sich leicht über dem Durchschnitt, seine langen Bälle gehören zu den besten der Liga, dazu leitet sein Aufbau oft schnelle Konter ein, dies kann man an 2nd/3rd Assist erkennen, welche die Pässe vor der Vorlage darstellen. Auch in Sachen Schnelligkeit bewegt er sich im Durchschnitt, was für einen modernen Innenverteidiger nicht unwesentlich ist. Zusammenfassend muss man sagen, dass der Jahn doof wäre, wenn er diesen Spieler nicht über die Saison hinaus verpflichtet, wobei man sich in Nürnberg bestimmt ärgert, dieses Juwel einfach so aus der Hand zu geben.

Konni könnte wohl auch als bayerischer Roadrunner gelten, so ist er im Dribbling der schnellste Spieler der Liga, auch bei Ballgewinnen, welche einen Raumgewinn ergeben, steht er ganz oben („progressive carries“). Man sieht, Konni passt wie die Faust aufs Auge zur Powerfußball- und Pressingphilosophie der Jahnelf. Jedoch offenbart er Schwächen in der Defensive, so gewinnt er zwar 65 % seiner Zweikämpfe am Boden, aber nur 43 % in der Luft, was wohlgemerkt bei seiner Position auch nicht dramatisch ist. Mit 5,87 Defensivaktionen pro Spiel liegt er weit unter dem Durchschnitt bei den Außenverteidigenr, was seine offensive Auslegung der Rolle darlegt. Ist er vorne angekommen, so sind Flanken (4,8 pro Spiel) oft eine Variante, aber teils auch lange Bälle wie Seitenverlagerungen (55 % sind angekommen), in beiden Feldern liegt er in der Spitze der Liga. Konrad Faber ist mit Ansage die Entdeckung der Saison, auch andere Vereine haben seine oder die Leistung anderer registriert, so saßen immer mal wieder Scouts von Vereinen aus der 2. Bundesliga im Jahnstadion, dennoch wird er sich mit seinen Dribblings in anderen Ligen schwerer tun, auch defensiv muss er zulegen, damit er die Rolle des Außenverteidigers voll ausfüllen kann. Dennoch wäre es grob fahrlässig, nicht wenigstens einen Versuch zur Verlängerung zu wagen, aber einfach wird es nicht.

Shootingsstars 23/24 – wen würden wir langfristig binden?

Tom: Aktuell herrscht ja eine mehr als euphorische Stimmung beim Jahn. Und von daher ergibt es Sinn, dass man sich überlegt, ob es Spieler gibt, die man direkt behalten möchte, obwohl sie ja noch nicht so lange bei uns sind. Jedoch ist Vorsicht geboten: Man darf nicht über das Ziel hinausschießen und einfach mal alle verlängern. Allerdings sollte ein kompletter Rebuild 2025 vermieden werden. Aber wen würde ich denn nun vorzeitig verlängern, wenn ich es mir aussuchen dürfte?

Ich habe da drei Namen Kopf. Wenn ich also könnte und mit Spielern vorzeitig verlängern könnte, dann wären das König Rasimir Bulic, Hoffnung Noah Ganaus und Neuinvestition Eisenhuth. Wieso diese drei?

König Rasimir: Es dürfte kaum jemand vor der Saison damit gerechnet haben, dass Rasko so einschlägt. Antreiber, sichere Bank, Emotion und vieles, vieles mehr. Ein Grund, wieso der Jahn wieder mehr Spaß macht, ist der große Mittelfeldspieler, der nicht nur mit seiner Leistung zu überzeugen weiß.

Hoffnung Noah: Restlos überzeugt hat er mich nicht. Er hat noch viel zu lernen, zu üben und besser zu machen. Aber für sein Alter bringt er brutale Qualitäten, mit der er bei uns in Ruhe entwickeln kann. Und das ist auch etwas, was für ihn eine große Rolle spielen sollte. Ich habe bei Noah einfach die Hoffnung, dass er bei uns zu einem noch besseren Spieler reift als er schon ist.

(Foto: Matthias Kern/Getty Images for DFB via Onefootball)

Neuinvest Eisenhuth: Ich nenne Tobi Eisenhuth gerne Geipls Erbe. Nun könnte man sagen: „WIeso? Bulic passt da doch viel besser?“. Ich fand es einfach sehr zum Schmunzeln, wie sich Tobi auf klassische Geipl-Manier mal eine Gelbe gefangen hat. Unabhängig davon ist er eine Bank im Mittelfeld, steht stabil, bringt überwiegend gute Leistungen und kann als einer der wenigen im Kader Standards. In ihn zu investieren und ihn langfristig an sich zu binden, hat in meinen Augen aktuell nur Vorteile.

Joe: Kreativflitzer Dominik: Zunächst fällt mir jemand ein, der konstant seine Leistung abruft und eine tragende Offensivkraft darstellt. Mit 13 Scorerpunkten steht der Rechtsaußen in den Top 5 der meisten Scorerpunkte der  3. Liga. Ein junger ambitionierter Mittelfeldmann, der schon Zweitligaerfahrung aufweisen kann, ist immer gut. Wenn man seinen Vertrag jetzt schon verlängern könnte, wäre eine Säule für den vielleicht schon bald realisierten Aufstieg gesichert.

Mourinho’s Busfahrer Felix: Die personifizierte Lebensversicherung zeichnet sich meistens dadurch aus, dir die Punkte festzuhalten. In der laufenden Saison hat dies mehrfach ein 21-Jähriger geschafft, der wohl noch eine große Karriere vor sich haben wird. Ein absoluter Geniestreich wär es demnach, irgendwie den Vertrag zu verlängern, da er jetzt schon wohl mindestens ein solider Zweitliga-Torhüter ist. Nicht umsonst war er zuletzt mit der U21 Nationalmannschaft weit unterwegs in der Welt.

Defensivkraft Poldi: Eine große Zukunft hat wohl auch Leopold Wurm vor sich. Schon zuletzt für die U-18 Mannschaft des DFB nominiert, wäre er wohl schon öfters auch für die Jahnelf zum Einsatz gekommen. Zum Glück blieben die Verteidigerposition des SSV weitestgehend vom Verletzungspech verschont. Doch warum ausgerechnet er? Mit einer großen Physis und Körpergröße hat er ideale Voraussetzungen. Seine Nominierung zeugt davon, dass der 17-Jährige auch ambitioniert an seiner Technik arbeitet. Es bleibt zu hoffen, dass man bei Eigengewächs Poldi nochmals den Vertrag verlängern kann.

Die schwierigen Ausfälle – sollten die Drähte bei Beierlorzer schon glühen?

Mit Eric Hottmann und Agy Diawusie fallen zwei Spieler weg, die eine wichtige Rolle im Kader eingenommen haben. Doch würden wir sie direkt ersetzen? Wie würden sie denn dann ersetzten bzw. haben wir einen oder sogar mehrere Spieler im Kopf?


Tom: Ich habe über den Spielermarkt nicht so eine Übersicht wie andere aus unserem Blog-Team. Jedoch sehe ich auch, dass Verstärkungen sinnvoll wären. Im Sturm unter anderem, vor allem da Konkurrenzkampf anstacheln kann. Aufgrund der Erfahrungen der letzten Saison würde ich eine Festverpflichtung bevorzugen, denke jedoch, es ist realistischer, mit einer Leihe zu planen. Die Frage ist nur: wie lange? Und ist das wirklich zielführend? Am Ende denke ich, kommt es hier auf den jeweiligen Spieler und seinen Charakter an. Jedoch würde ich als grundsätzlichen Rahmen eine Leihe von 1 1/2 Jahren sehen.

Auf der Position von Agy fällt mir die Entscheidung relativ leicht. Wenn nicht jetzt, wann dürfen sich unsere Jugendspieler dann beweisen? Bevor wir hier einen Spieler per Leihe holen, würde ich die Saison lieber mit den vorhandenen Jugendspielern beenden. Sollte man natürlich ein super Angebot bekommen, z. B. einen Kingsley Coman für eine Knackersemmel (Spaß beiseite), sollte man natürlich zu schlagen. Jedoch setze ich hier das Vertrauen in unsere Jugend. Update: Heute wurde der Transfer von Erik Tallig bekannt gegeben. Insofern sollte dies der Ersatz für Agy sein.

Joe: Der berühmt-berüchtigte Königstransfer. Is dafür Kohle da? Braucht es ihn überhaupt? Oder haben wir ihn bereits? Diese Fragen wurden in den letzten Monaten heiß diskutiert. Ich hatte dazu von Anfang an eine Meinung: Man braucht einfach keinen. Joe Enochs braucht diesen einfach nicht, anders als andere Spitzenteams. Das Kollektiv ist der Königstransfer, deswegen finde ich sämtliche Diskussionen um einen Boyd oder Besuschkow irrelevant. Ein Ersatz für Agy konnte bereits mit Erik Tallig gefunden werden, der als toller Kreativspieler bei 1860 und dem Chemnitzer FC galt. Lassen wir uns also überraschen. Offensiv braucht es ebenfalls keine Verstärkung mehr. Lieber gibt man in einer für den Jahn sehr komfortablen Situation Onuigwe oder Graf auch in Pflichtspielen Chancen, sich im Teamgefüge zu profilieren. Man sollte nur so weitermachen wie bisher, dann kann wenig schiefgehen.   

Bald wieder Arme nach oben für den Jahn? (Foto: Sebastian Widmann/Getty Images via Onefootball)
Die Datenbox – Besuschkow als Option?

Die „Neue Presse“ hat spekuliert: Max Besuschkow könnte auch zum Jahn zurückkehren. Aus dieser Spekulation entbrannte sich eine Summe aus mehreren Meldungen, welche die „Neue Presse“ zitieren, allerdings war nie die Rede davon, dass hier überhaupt was dran ist. Dagegen spricht auch, dass Hansa Rostock zum aktuellen Zeitpunkt „Besu“ nicht holen kann, da er trotz Vertragsauflösung zu teuer für die Kogge um Mersad Selimbegovic ist. Würde der Jahn dann tiefer in die Tasche greifen für jemanden, der seit mehreren Monaten nach Spielzeit und seiner Form sucht? Wohl eher nicht.

Dennoch kann man analysieren: Max Besuschkow überzeugte in den 1228 gespielten Minuten dennoch. Er zeigt im Ballbesitz gerade im Bereich des raumgewinnenden Ballbesitzes und Pässen überdurchschnittliche Leistungen – eine Stärke, die die Jahnelf auch benötigen würde. Oft lässt man sich im Pressing in die Enge treiben, kommt nicht in den strukturierten Ballbesitz, er könnte Löcher finden und das Spiel beruhigen.

Auffällig aber auch, dass er nur wenig Ballberührungen in der Box hat und zu viele Zweikämpfe verliert, auch das Datenportal „whoscored“ 2 attestiert ihm eine Schwäche im Zweikampf. Dazu fällt auf, dass er gerade gegen physisch stärkere Gegenspieler schnell den Mut verliert, daraufhin nur noch mit einer gewissen Grundangst in die Duelle startet. Gerade Defensiv sind die Daten sehr unterdurchschnittlich, aber im Offensivbereich über dem Ligaprimus. So fällt auf, dass er viele erwartende Vorlagen und Tore verzeichnen kann, was seine Stärke im letzten Drittel unterstreicht. 3

Angaben in Prozent im Vergleich zu anderen zentralen Mittelfeldspieler (Daten: Opta)

Zusammenfassend kann man sagen, dass er ein Unterschiedsspieler im letzten Drittel sein kann, mit seiner Kreativität und technischen Stärke, aber seine Defizite gegen den Ball hindern ihm daran, dass er sich in der 2. Bundesliga zurechtfinden kann. Aber er wäre nicht der erste, bei dem es in der 3. Liga direkt laufen würde, gerade bei einer dominanten Mannschaft. Kein Spieler in dieser Liga hat keine Schwächen, das gehört auch zur Wahrheit. Auch in der täglichen Arbeit kann man einiges erarbeiten und an die Philosophie anpassen, welche Besu ja eh schon kennt. Es würde wie alles in diesem Geschäft eine Wundertüte bleiben – eine teure.

Update: Mit dem Transfer von Erik Tallig wird dieser Transfer noch unwahrscheinlicher, da Tallig bereits bei 1860 München „am liebsten in einem 4-2-3-1 auf der Sechs neben einem defensiven Part“ spielen wollte. Diese Rolle könnte er auch hier ausfüllen, aber auch andere Rollen im Zentrum sowie am Flügel sind denkbar, sogar Linksverteidiger kann er. Auf alle Fälle wirkt das zentrale Mittelfeld nun in der Spitze wie in der Breite vorerst ausgefüllt.

(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images via Onefootball)

Jan von unseren Freunden bei Sechzger.de sagt zu Tallig: „Damals musste er erst bei uns ankommen, es dauerte bis er drin war. (…) war Stammspieler, aber dann warum auch immer auf die Bank verbannt worden, das war dann ein kleiner Knacks für ihn. Er hat dann in Folge zwischen Bank und Startelf geschwankt und hat sich dann eigentlich gut gemacht, er war gut gelaunt, aber der Kreuzbandriss hat ihn dann kurz vor Vertragsende erneut herausgeworfen. Es gab dann auch kritische Stimmen, welche ihn gerne verlängert hätten. (…) ihm haben die Leute mit am meisten nachgetrauert. (…) ich hätte eher an Regionalliga gedacht, aber er kann euch bestimmt weiterhelfen.“



Fußnoten
  1. Artikel: Datenanalyse im Profifußball – können Algorithmen schon bald die Meisterschaft entscheiden?” : https://www.stern.de/sport/fussball/fussball-per-datenanalyse–so-erobern-algorithmen-die-bundesliga-31968504.html ↩︎
  2. Beispiel für einen “smart Pass” in der Partie Sheffield United gegen Manchester City: Durch Pass gelangt Mahrez hinter die Kette, dadurch bricht der Passgeber sie. ↩︎
  3. Max Besuschkow’s Charakteristiken auf der Datenplattform „whoscored“
    ↩︎