Was wurde eigentlich aus Francky Sembolo?

Im Sommer 2012 wechselte Francky Sembolo von Wilhelmshaven in die Oberpfalz. In der 2. Bundesliga absolvierte er für den Jahn 32 Spiele, in denen er 12 Scorer-Punkte sammeln konnte. Doch was wurde aus dem Stürmer?

Von der Champions League in die Oberliga

Sembolo startete seine Karriere bei Canon Yaoundé, dem erfolgreichsten Verein in Kamerun. Dort galt er früh als Talent und stand mehrmals im Kader für die CAF Champions League. Der Stürmer wurde trotzdem ausgemustert und musste in die Heimat zu Saint-Michel d’Ouenzé zurückkehren. Francky Sembolo machte mit Teamkollegen Patrick Mouaya im Jahr 2006 einen gewagten Schritt und wanderte nach Deutschland aus, wo beide beim FC Oberneuland anheuern konnten. Oberneuland wurde mit den beiden Kongolesen zu einem Aufstiegskandidaten. In den Saisons 06/07 und 07/08 verpasste man den Aufstieg in die Regionalliga Nord knapp, ehe man 08/09 den langersehnten Schritt in die vierthöchste Spielklasse packen konnte. Der Mittelstürmer traf in 70 Spielen 25-mal für den FCO.

Der Schritt zu Holstein Kiel

Die Störche hatten in der Saison 09/10 große Hoffnungen, dazu konnte man diesen aufsehenerregenden Stürmer aus der Regionalliga verpflichten, aber was blieb am Ende der Saison von dieser Euphorie übrig? Nichts. Der Torjäger war mit 14 Saisontoren Michael Holt, welcher aber eigentlich ein Mittelfeldspieler ist. Sembolo konnte den Erwartungen nur teilweise gerecht werden und wurde teilweise in die Reservemannschaft versetzt. Die Zielsetzung war zu Beginn der Saison das Erreichen der oberen Tabellenhälfte, dieses Ziel konnte man allerdings nicht ansatzweise gerecht werden und man steckte tief im Abstiegskampf. Am Ende der Spielzeit konnte man die Hoffnung zwar mehrere Spiele hochhalten, stieg aber trotzdem in die Regionalliga ab. Der Kongolse blieb vorerst in Kiel, durfte aber in der Regionalliga nur 8 Einsaätze absolvieren und wurde in der Rückrunde von Trainer Christian Wück erneut in die U21 verwiesen. In der Oberliga Schleswig-Holstein traf er in 16 Spielen 12-mal, dazu wurde er mehrmals für die Nationalmannschaft berufen.

Der Schritt zurück nach Wilhelmshaven

Der SV Wilhelmshaven spielt heute in der Landesliga, war aber in der Saison 11/12 noch in der Regionalliga vertreten, galt aber in dieser Saison als Abstiegskandidat. Mit Sembolo konnten sie einen Spieler verpflichten, der eine make-or-break-Saison im Jahr 2011 vor sich hatte und sich beweisen musste. Während der SVW einen schlechten Saisonstart hinlegen musste, konnte er trotz der schlechten Leistungen seiner Mannschaft überzeugen und etablierte sich in der Startelf. In der Torschützenliste platzierte er sich am Schluss mit 18 Toren auf Platz 2 und strebte erneut nach einer größeren Aufgabe und entschied sich gegen einen Verbleib bei Wilhelmshaven, obwohl man den Klassenerhalt feiern durfte.

Abenteuer Regensburg

Franz „Schlangenfranz“ Gerber trug maßgeblich zu der Verpflichtung des Regionalliga-Stürmers bei und lud ihn in ein Probetraining beim Jahn ein, wo er scheinbar überzeugen konnte und man Sembolo verpflichten konnte.

„Das war eine Riesen-Freude und einfach ein schönes Gefühl. Ich kam ja aus der Regionalliga und alle haben gefragt: ‚Was wollen die mit dem?‘. Franz Gerber hat damals allerdings an mich geglaubt und mich zum Probetraining eingeladen. Das klappte richtig gut, bis auch der Trainer Oscar Corrochano sagte: Wir holen den Spieler.“, sagte Francky Sembolo gegenüber „Liga-Zwei.de„.

Regensburg war 2012 gerade in die 2. Bundesliga aufgestiegen und wollte sich bei dieser neuen Aufgabe beweisen. Der Jahn ging als eindeutiger Underdog in die Saison, konnte aber vor allem am Anfang der Spielzeit überzeugen und gegen Duisburg, Sandhausen sowie St. Pauli gewinnen.

Beim ersten Sieg gegen den MSV Duisburg lieferte Sembolo. Er legte ein Tor auf und traf einmal selbst, somit war er sofort angekommen und machte sich nach harten Jahren im Amateurfußball einen Namen. Nicht nur der Stürmer wurde bekannter, sondern auch der SSV Jahn, auch wenn es am Ende nicht für den Klassenerhalt reichte, konnte man einige wertvolle Erkenntnisse mitnehmen.

In der Rückrunde konnte er seinen Lauf aus der Hinrunde nicht fortsetzen und traf nur zweimal. Insgesamt sammelte er in diesem Jahr 12 Scorerpunkte und absolvierte 32 Partien in Liga 2.

Er wollte in der 2. Liga blieben und Regensburg wollte Geld einnehmen, deswegen entschied man sich für eine Trennung und der Kongolese ging auf die Alm, wo er den nächsten Schritt machen wollte.

Ungereimtheiten in Bielefeld

Der Mittelstürmer wechselte zu Arminia Bielefeld. Die Arminia war wie der Jahn in der Saison zuvor in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Der Neuzugang hatte einen sehr schweren Start, ihm wurden andere Spieler vor die Nase gesetzt, er bekam nur Kurzeinsätze und teilweise stand er sogar gar nicht im Kader. Seine Zeit in Ostwestfalen ist ziemlich vergleichbar mit der in Kiel, denn dort bekam er ebenfalls nicht die gewünschte Spielzeit und blieb hinter den eigenen Erwartungen zurück. Sembolo blieb bei Arminia Bielefeld ohne Treffer und entschied sich für eine Leihe nach Halle in die 3. Liga.

Beim Halleschen FC konnte er wieder durchstarten und traf in 14 Spielen 8-mal. In Halle blühte er wieder auf und war in der Startelf gesetzt, trotzdem wurde keine Festverpflichtung erwogen und er blieb zumindest vorerst am Alm-Stadion.

Nach der Enttäuschung folgt die Enttäuschung

Er kann nicht bei den Ostwestfalen bleiben, das war eindeutig, deswegen forcierte man erneut einen Wechsel. Mit dem VfL Osnabrück konnte man einen ambitionierten 3. Ligisten als Abnehmer finden, wo er zumindest mittelfristig auch wieder in die 2. Liga blicken könnte.

Doch es kam wieder alles anders: Erst stand er nicht im Kader, daraufhin musste er wieder für die 2. Mannschaft auflaufen und dann bekam er wieder nur Kurzeinsätze in der 3. Liga. Dennoch wollte er sich durchkämpfen und den Durchbruch schaffen, doch erst am 28. Spieltag durfte er zum ersten Mal einen Einsatz über 90 Minuten absolvieren.

Er entschied sich aber für einen Verbleib bei den Lila-Weißen und wollte in der Saison 15/16 nochmal seine Qualität unter Beweis stellen.

Doch das Schauspiel wiederholte sich: Erst stand er nicht im Kader, dann 2. Mannschaft und zwischendurch Kurzeinsätze in Liga 3, dazu kommt eine Verletzung am Ellenbogen, weswegen er 56 Tage aussetzen musste

„Francky Sembolo hat seine Torgefahr bereits in der 2. Bundesliga und zuletzt in der 3. Liga unter Beweis gestellt und wir sind davon überzeugt, dass unser Offensivspiel mit ihm an Qualität gewinnen wird“, erläuterte Lothar Gans zu seinem damaligen Neuzugang. Rückblickend war dieser Akt für beide Seiten aber eine Niederlage, denn Sembolo verspielte seine wahrscheinlich letzte Möglichkeit für einen Durchbruch, denn er war zu diesem Zeitpunkt schon knapp 30-Jahre alt und der VfL Osnabrück hatte seine Hoffnung wohl auf den falschen Spieler gelegt.

Regionalliga mit Meppen, Rehden und dem BAK

Nach dem Missverständnis in Osnabrück musste er (wieder) einen Schritt nach hinten machen und startete einen Neuanfang in der Regionalliga beim Berliner AK. Dort war die Sachlage erneut mehr als schwierig. In den ersten Spielen war er Stammspieler, doch seine Leistungen schwankten und er wurde auf die Bank verdammt. Erneut war er Fehl am Platz, erneut war sein Transfer kein Neuanfang, sondern ein weiterer Niedergang.

Im Winter 2017 wurde er nach Meppen transferiert, wo er erneut in der Regionalliga spielen konnte. In Meppen konnte er stellenweise überzeugen und war insbesondere als Joker aktiv. Mit dem SVM packte er den Aufstieg in die 3. Liga, trotzdem ging es in der Sommer-Transferphase erneut auf Vereinssuche.

Nach Berlin und Meppen folgte Rehden. Beim Abstiegskandidaten formierte er sich zu einem Schlüsselspieler und konnte in 29 Spielen 15 Scorer sammeln. Er bekam seine langersehnte Spielzeit und zeigte seine Qualität, dazu wurde er bester Scorer seiner Mannschaft. Francky Sembolo schoss mit seinen Toren den BSV Rehden zum Klassenerhalt und blieb eine weitere Saison bei den Schwarz-Weißen, so war zumindest der Plan …

Das Karriereende in Sicht

Am Anfang der Spielzeit 18/19 war er erneut gesetzt und konnte schon am 1. Spieltag ein Tor erzielen, dennoch blieb er hinter den Erwartungen zurück und wurde erneut aussortiert. Mittlerweile war er 33-Jahre alt und blickte langsam in Richtung Karriereende, dennoch wollte er noch nicht ganz mit dem Fußball abschließen und suchte mal wieder einen neuen Verein.

Für die Regionalliga reichte es nicht mehr, demnach suchte er sich eine Ebene darunter eine Bleibe und schloss sich Teutonia Ottensen an. In Ottensen wollte er seine Karriere noch einmal erfolgreich abschließen und stand noch 10-Mal für den FC 05 auf dem Rasen, dazu konnte sich noch zweimal in die Scorerliste eintragen.

2021 stand er noch einmal in der Oberliga für Bersenbrück auf dem Platz, doch es blieb bei einer einmaligen Angelegenheit.

Aktuell spielt er in der Kreisklasse beim SC Glandorf und hat seine Profikarriere beendet.