Christian Detterbeck im Interview: »Vermutlich Bier trinken und Schlager hören«

Christian Detterbeck (aka „Detti“) schreibt nicht nur Bücher über Football und ist bei der „Footballerei“ sowie beim Kicker-Podcast „Icing the kicker“ tätig, sondern ist auch leidenschaftlicher 1. FC Köln-Fan. Wir sprachen mit Christian über seine Liebe zum „Effzeh“, Steffen Baumgart und über den Jahn.

Du bist ja maßgeblich an der „Footballerei“ und am Podcast „Icing the kicker“ beteiligt. Wie schaffst du den Spagat zwischen dem Fanatismus zu Football und deiner Liebe zum Effzeh?

Statt „Fanatismus“ würde ich eher „Liebe zum Sport“ sagen.  Geht beides. Und der Kicker-Podcast ist für mich als jahrzehntelangen Leser des Magazins natürlich ein Traum.

Welche Sportart ist dir lieber? Fußball oder Football?

Schwer zu sagen – dem Herzen näher ist der Football, ganz klar. Fußball habe ich selbst 30 Jahre im Verein gespielt – würde aber meine Fußball-Liebe tatsächlich auf den 1. FC Köln beschränken. Ich schaue mir lieber 10x den FC an, bevor ich mir ein Champions League Halbfinale zwischen Paris und Manchester City gebe …

Du bist leidenschaftlicher Fan vom 1. FC Köln, wie kam es zu dieser Liebe?

Meine erste Erinnerung als Fan habe ich an das UEFA-Cup-Finale des FC gegen Real Madrid 1986. Da war ich 9 – und Toni Schumacher Nationaltorwart. Dann kam die WM in Mexiko. Seitdem trage ich den Geißbock in der Brust. Mein Vater hat mich damals nicht beeinflusst (in Richtung FC Bayern oder 1860 – wobei ich für die Blauen schon große Sympathien habe) – somit hatte ich bei der Vereinsauswahl freie Hand!

Ihr werdet oft als sehr größenwahnsinnig dargestellt, wenn ihr Erfolg habt. Verfällst du als Kölner auch öfters in eine gewisse Euphorie?

Ich denke, das Narrativ können gebürtige Kölner besser beurteilen. Ich neige definitiv nicht zum Größenwahn. Ich denke aber, dass es auch bei den FC-Fans in der Kurve genügend Pragmatiker gibt, die den momentanen Erfolg schon richtig einordnen. Und einfach nur dankbar sind.

Du hast letztens ein Selfie mit Steffen Baumgart auf Instagram (@dettifbei) veröffentlicht. Wo siehst du euch (den 1. FC Köln) in den nächsten 5 Jahren? Wie ist die Stimmung beim Effzeh?

Wenn ich mir die letzten 35 Jahre des Vereins anschaue, werde ich mir sicher keine Gedanken machen, was in 5 Jahren ist. So schön die Zeit mit Peter Stöger war (den ich als Typen überragend fand), so schnell ging es danach wieder bergab. Also abwarten und den Moment genießen.

Wenn du einen Tag mit Steffen Baumgart hättest, was würdest du mit ihm machen bzw. unternehmen?

Vermutlich Bier trinken und Schlager hören.  (Baumi hat echt ’nen speziellen Musikgeschmack)

Nächstes Jahr spielt ihr im Europapokal, bekommst du schon Gänsehaut?

Bei der Conference League habe ich halt immer UI-Cup-Vibes (falls sich noch jemand an dieses Konstrukt erinnert). Sehe das daher eher sachlich und sehe den Mehrwert für den Verein hauptsächlich in finanzieller Hinsicht erstrebenswert, sollte man die Gruppenphase erreichen.

Du bist ja aus der Nähe von München. Wie ist deine Verbindung zum Jahn, wie nimmst du den SSV wahr?

Zum Verein habe ich eigentlich keine großartigen Emotionen. Allerdings ist die Stadt Regensburg die vielleicht schönste Stadt Bayerns – daher ist mir der Jahn schon mal grundsympathisch. Und sie haben in den letzten Jahren echt eine gute Arbeit geleistet. Wirkt alles recht stabil auf mich.

In den letzten Jahren gab es viele Berührungspunkte zwischen dem Jahn und dem 1. FC Köln. Bitte, sag uns was über…

.. .euren neuen Sportchef Christian Keller und deine Hoffnungen in ihm

Für mich war von Anfang an entscheidend, dass a) die Chemie mit Steffen Baumgart stimmt und sich Keller b) auf das Umfeld in Köln einstellen kann. Den finanziellen Scherbenhaufen in den Griff zu kriegen, wird seine Hauptaufgabe sein. Und diesbezüglich macht er einen sehr kompetenten, zielgerichteten Eindruck. Passt soweit.

… euren neuen Spielern mit Jahn-Vergangenheit (Sargis Adamyan und Eric Martel)

Ich glaube zwar nicht, dass Modeste den Verein noch verlassen wird – aber so oder so ist Adamyan eine absolut sinnvolle (und für mich überraschend günstige) Ergänzung in der Offensive. Martel lieb ich jetzt schon. Und aus meiner Sicht ebenfalls ein Schnäppchen – wenn man die Leistungen in Wien, sein Alter und die Tatsache bedenkt, dass er Jugendnationalspieler ist.

… euren Ex-Trainer Achim Beierlorzer

Schwierig. Fand seine Ansprache von Anfang an immer ein wenig „cheesy“. Kann das gar nicht genau definieren. Aber er hat irgendwie von Beginn an nicht zum FC gepasst. Wobei er, glaube ich, ein guter Trainer ist. Manchmal passt es einfach nicht.

Beim letzten Aufeinandertreffen habt ihr gegen den Jahn im Elfmeterschießen verloren. Wie ist dein Tipp für das nächste Spiel?

Das wird ekelhaft. Könnte eine ganz harte Nuss werden. Sehe das wie Christian Keller. Scheiß-Los 

Ein Kollege aus dem Team war auch mal Köln,-„Fan“ und sah in der Saison 2012/2013 die 3:4 Niederlage des Jahns im alten Jahnstadion gegen den 1. FC Köln. Seitdem hat er sein Herz an die Jahnelf verloren. Sein damaliger Lieblingsspieler war Milivoje Novakovic, welcher ist deiner?

Mein Kölner Lieblingsspieler ever ist Andrzej Rudy (offensiver Mittelfeldspieler), dicht gefolgt von Schumacher und Illgner (für mich als ehemaligen Keeper nur konsequent). Dazu Sunday Oliseh, dieser war aber in den 90ern nur zwei Jahre in Köln. Er war ein genialer „6er“, aber leider zu gut für den Verein in der damaligen Phase. Aus der aktuellen Mannschaft mag ich Marvin Schwäbe, Timo Hübers, Mark Uth und natürlich Jonas Hector sehr gerne. Gute Jungs. Das Herz gebrochen hat mir Salih Özcan. Der hat letztes Jahr eine unfassbar gute Saison gespielt. Seine Zweikampfstärke und Aggressivität werden dem Team fehlen. Der BVB bekommt eine Waffe.

Danke, dass du dir für uns Zeit genommen hast!